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Georg Zoche

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Contents

Wie der Krieg in die Krise führte und wie die Krise den Krieg finanzierte.

Abstract

Bereits 1959 hat Robert Triffin auf den schweren Konstruktionsfehler des internationalen Finanzsystems hingewiesen, der sich durch die Sonderrolle des US-Dollars als Weltleitwährung ergibt: Triffin prognostizierte, dass sich die USA auf Grund der weltweiten Nachfrage nach US-Dollar bei dem Rest der Welt solange verschulden werden, bis diese systembedingte Schieflage des internationalen Finanzsystems schließlich in dessen Krise endet.

Begünstigt durch mangelnde Bankenaufsicht, fehlende Finanzstandards und intransparente Finanzinstrumente wurde der von Triffin beschriebene Durst der Welt nach Dollar zur Erzielung kurzfristiger Gewinne ausgenutzt und führte zu einem erheblichen Machtzuwachs des Finanzsektors.

Das Finanzsystems geriet noch weiter in Schieflage, als die amerikanische Zentralbank ihre Leitzinsen immer weiter senkte – in Reaktion auf die Terrorangriffe des 11. September, Angst vor weiteren Terrorangriffen und dem Irakkrieg. Auf diese Weise förderte sie – sehenden Auges – das Anschwellen der Immobilienblase, auf deren Geldzufluss die US-amerikanische Regierung in Zeiten des Krieges kaum verzichten konnte.

Die von aller Welt erhaltenen Immobilienkredite in Höhe von etwa 20% des weltweiten Bruttosozialprodukts wurden von den USA jedoch nur auf den ersten Blick zum Bau oder Kauf von Immobilien genutzt; tatsächlich finanzierten sie das US-Handelsbilanzdefizit und mit diesem auch den Irakkrieg.

Der US-amerikanischen Zinspolitik lag aber eine gewaltige Fehleinschätzung zu Grunde: der Irakkrieg sollte kostengünstig nach etwa zweieinhalb Monaten beendet sein. Weit gefehlt: Der Konflikt dauert heute bereits sechs Jahre an, in der US-amerikanischen Geschichte war nur der Zweite Weltkrieg teurer als der Krieg im Irak (geschätzte Kosten des Irakkriegs 2.700 Milliarden US-Dollar; das entspricht etwa 400 US-Dollar pro Kopf Weltbevölkerung).

Und so hat sich heute, nach 50 Jahren, Triffins Prophezeiung in Form der US-Immobilienkrise erfüllt: die USA haben sich bei der Welt maximal verschuldet und können die aufgenommenen Immobilienschulden nicht mehr zurückzahlen. Das internationale Finanzsystem muss in seinen Grundlagen neu überdacht werden.

Krieg und Krise

Als am 11. September 2001 zwei Verkehrsmaschinen in die Twin Towers des World Trade Centers krachten, hielten die Gebäude den gewaltigen Einschlägen zunächst Stand. Erst Sekundäreffekte – ausgelöst durch die Brände – brachten die Gebäude schließlich zum Einsturz.

Auch die Weltwirtschaft, der diese Anschläge galten, zeigte sich zunächst erstaunlich resistent. Erst sieben Jahre später stürzten die durch den Terrorangriff ausgelösten Sekundäreffekte die internationale Finanzwelt schließlich in die größte Krise seit 1929.

Heute, im Nachhinein, lassen sich einige strukturelle Mängel der weltweiten Finanzmärkte gut identifizieren: mangelnde Bankenaufsicht und Transparenz, falsche Bewertungen durch die Ratingagenturen, undurchsichtige Finanzderivate, fehlende internationale Finanzstandards, an kurzfristigen Gewinnen orientierte Bonuszahlungen, laxe Kreditvergaben und blinde Spekulation begünstigten einen weltweiten Flächenbrand – aber sie lösten den Brand nicht aus.

Der Brandsatz, der das Feuer entfachte, wurde von der US-amerikanischen Zentralbank gezündet: billiges Geld in großen Mengen. Denn die US-amerikanische Zentralbank reagierte auf die Anschläge mit einer Reihe drastischer Zinssenkungen, um mit billigem Geld die Wirtschaft der USA anzukurbeln und möglichen negativen Effekten der Terroranschläge vorzubeugen. Alan Greenspan, bis Februar 2006 Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve System, notierte retrospektiv:

Die Fed reagierte auf die Unsicherheit, indem wir unser Programm der aggressiven Zinssenkungen beibehielten. Wir führten damit die Serie der sieben Zinssenkungen fort, mit denen wir Anfang 2001 begonnen hatten, um die Auswirkungen des Dotcom-Crashs und des allgemeinen Einbruchs am Aktienmarkt aufzufangen. Nach den Anschlägen des 11. September senkten wir die Zinsen noch vier Mal und ein weiteres Mal auf dem Höhepunkt der Unternehmensskandale im Jahr 2002. Im Oktober 2002 stand der Tagesgeldsatz bei 1,25 Prozent, einer Zahl, die wir ein Jahrzehnt zuvor für unfassbar niedrig gehalten hätten. (Der Satz war seit den Tagen von Präsident Eisenhower nicht mehr so niedrig gewesen.) […] Zwischen 2000 und 2003 sanken auch die Zinsen für langfristige Anleihen immer weiter: Die Zinsen auf Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren gingen von fast 7 Prozent auf weniger als 3,5 Prozent zurück. [1]

Die Federal Reserve senkte den Zinssatz bis auf 1%, den niedrigsten Stand seit einem halben Jahrhundert. 38 Monate lang, von Oktober 2002 bis November 2005, lagen die Zinsen schließlich unterhalb der Inflationsrate: die Fed verteilte „kostenloses“ Geld. Kein Wunder, dass in dieser Zeit die Häuserpreise ihre höchsten Steigerungsraten verzeichneten.[2] Jedermann bekam einen Kredit für den Hauskauf, die Nachfrage nach Häusern stieg exponentiell. Der Investmentbanker George Soros fasste diese historische Ausnahmesituation lapidar folgendermaßen zusammen:

Billiges Geld erzeugte eine Immobilienblase, eine Explosion fremdkapitalfinanzierter Unternehmensübernahmen und weitere Exzesse. Wenn Geld kostenlos ist, wird der rationale Kreditgeber so lange Kredite vergeben, bis kein Kreditnehmer mehr zu finden ist.[3]

In den Unterlagen der Federal Reserve ist heute nachzulesen, dass man sich dort schon 2002 bewusst war, mit dem billigen Geld möglicherweise eine immense Immobilienblase zu verursachen. Alan Greenspan sagte hierzu vor dem US-Kongress aus:

Durch niedrige Hypothekenzinsen und günstiges Wetter erfuhr der private Hausbau in den vergangenen Monaten eine beachtlichen Unterstützung. […] Die anhaltende Stärke im Markt für privaten Hausbau führte zu Bedenken, dass hier möglicherweise eine Immobilienblase im Entstehen ist.[4]

In den jeweils nach fünf Jahren veröffentlichten internen Gesprächsprotokollen der Fed wurden die niedrigen Zinsen bereits im März 2002 als „nicht nachhaltig“ und sogar „extrem gefährlich“ bezeichnet.[5] Diesen Gesprächsprotokollen ist auch zu entnehmen, weshalb die Fed die Zinsen jahrelang auf diesem gefährlichen Niveau beließ: die US-amerikanische Wirtschaft musste trotz des Irakkriegs und der Angst vor weiteren Terrorangriffen bei Laune gehalten werden.[6] Und die beste Möglichkeit, die Wirtschaft anzuschieben bestand in der Förderung des Hausbaus. In seiner Autobiografie führt Alan Greenspan an:

Nach dem 11. September war die Wirtschaft geschwächt; es waren die Ausgaben der Konsumenten, die der Wirtschaft aus dieser Schwächephase heraushalfen. Und diese Konsumausgaben wiederum wurden von der Entwicklung am Immobilienmarkt getrieben: die stürzenden Hypothekenzinsen hatten den privaten Immobilienmarkt in vielen Teilen der USA belebt, wodurch die Werte der Häuser gewaltig stiegen. Die Häuserpreise stiegen in den Jahren 2000, 2001 und 2002 um jeweils 7,5 Prozent pro Jahr und damit doppelt so schnell wie nur wenige Jahre zuvor. Dabei wurden nicht nur historisch viele Häuser neu gebaut, sonder auch historisch viele bereits gebaute Häuser weiterverkauft. Dieser Boom führte zu einem großartigen Stimmungsschub: selbst wenn man sein Haus nicht verkaufte, konnte man sehen, wie die Häuser in der Nachbarschaft erstaunlichen Preisen erzielten – was bedeutete, das das eigene Haus auch im Wert gestiegen war.[7]

Der durch die niedrigen Zinsen ermöglichte Immobilienboom wurde zudem mittels gezielter Maßnahmen der US-Regierung unterstützt: Steuersenkungen und -rückzahlungen sowie diverse politische Programme zur Förderung des Hausbaus. Durch diese Maßnahmen kletterte der Anteil von Hausbesitzern in der US-amerikanischen Gesellschaft auf den historischen Höchststand von 69,3% im zweiten Quartal 2004.[8] Diese Konjunkturmaßnahmen hatten – ebenso wie die niedrigen Zinssätze – ihre Begründung in den Anschlägen des 11. September. Das US-Schatzamt führt hierzu aus:

Die Terroranschläge führten zu einem Rückgang der Konjunktur und erhöhten die Ausgaben für die nationale Sicherheit. Um diesen Effekten entgegenzuwirken, erließ der neue Präsident, George W. Bush, Steuersenkungen und -rückzahlungen; aber das Defizit stieg und mit ihm die Staatsschulden.[9]

Das Risiko, durch das Zusammenwirken von niedrigen Zinsen und staatlichen Immobilienprogrammen eine Blase zu verursachen, wurde dabei bewusst in Kauf genommen. Alan Greenspann hierzu:

Ich war mir darüber im Klaren, dass eine Lockerung der Kreditbedingungen für Subprime Kreditnehmer das finanzielle Risiko erhöhte, und dass subventioniertes Hauseigentum den Markt verzerrt. Doch ich war damals wie heute der Überzeugung, dass der Nutzen einer weiteren Verbreitung des Hauseigentums dieses Risiko Wert ist.[10]

Zudem stellte die Fed in einer Untersuchung fest, dass das Risiko erfolgreich auf andere Investoren abgewälzt werden konnte – auf jene Investoren aus aller Welt, die heute tatsächlich die Hauptlast der Kreditausfälle tragen. Im Protokoll des Federal Open Market Committee (Offenmarktausschuss) der US-Notenbank heißt es

Der Ausschuss besprach und diskutierte bei diesem Treffen Präsentationen der Mitarbeiter zu den Themen Immobilienbewertung und Währungspolitik. In den USA sind, insbesondere in einigen Gegenden, die Häuserpreise in den letzten Jahren stark angestiegen; auf sehr hohe Werte, bezogen auf Einkommen oder Mieten. Zuzüglich zu lokalen Marktfaktoren, scheinen die Häuserpreise von zahlreichen Einflüsse unterstützt zu werden, darunter eine deutliche Zunahme der verfügbaren Einkommen, niedrige Hypothekenzinsen, sowie Finanzinnovationen im privaten Hypothekenmarkt. Die Preise sind womöglich etwas überhöht, um mit diesen grundsätzlichen Faktoren in Übereinstimmung zu sein; es bereitete jedoch erhebliche konzeptuelle und statistische Probleme, die Höhe der Überbewertung national, bzw. in regionalen Märkten, zu bemessen. Die Teilnehmer der Besprechung erwähnten im Besonderen, dass der Anstieg der Häuserpreise einhergeht mit einer allmählichen Verlagerung hin zu möglicherweise riskanteren Arten von Hypotheken, darunter Kredite mit flexibler Verzinsung und tilgungsfreie Darlehen. Diese riskanteren Hypotheken könnten in Zukunft für Kreditgeber und Kreditnehmer eine Herausforderung darstellen. Trotzdem befanden sich die Finanzinstitute mit ihrem Kapital im Allgemeinen in komfortablen Positionen; solche Kredite haben bisher gut funktioniert und ein guter Teil des mit ihnen verbundenen Risikos wurde mittels Verbriefung auf andere Investoren übertragen.[11]

Als 2006 die Zinsen wieder auf ein nachhaltiges Niveau angehoben wurden, stiegen die Häuserpreise zunächst nicht mehr weiter, verbilligten sich dann in zunehmendem Tempo und brachten die Blase im Februar 2007 schließlich zum Platzen; im August 2007 mussten weltweit Zentralbanken intervenieren, indem sie das internationale Bankensystem großzügig mit Geld versorgten, ein weiteres Mal im März 2008.[12] [13]

Zusammengefasst: Die Angriffe auf das World Trade Center hätten die Weltwirtschaft nicht wirklich existentiell bedroht; sie erzielten diese Wirkung durch die Überreaktion der USA. Die mit der Angst vor weiteren Terroranschlägen und der kriegsbedingten Beunruhigung der Wirtschaft begründete Zins- und Wirtschaftspolitik stellte sich als der Nährboden heraus, auf dem die Immobilienblase schließlich prächtig gedeihen konnte. Das Platzen dieser Blase bringt nun das US-dominierte Weltwirtschaftssystem und damit die Vorherrschaft der USA zum Wanken.

Um zu verstehen, wie es so weit kommen konnte, welche Schritte und Zusammenhänge zur wahrscheinlich größten Finanzkrise aller Zeiten geführt haben, ist es notwendig zwei grundlegende Fragen zu klären: Wo kam das Geld her? Wo ist das Geld hin?

Boom and Bust – Spekulationsblasen als Strategie

Boom: Wo kam das Geld her?

Das Geld kam aus zwei Quellen: der kleinere Teil stammte aus bereits vorhandenem Geld – etwa von Investoren –, der weitaus größere Teil wurde von US-amerikanischen Banken in Form von Giralgeld neu geschöpft. Entsprechend führte die Immobilienblase zu einem gewaltigen Anstieg der Dollar-Geldmenge.

Auch wenn es im Einzelnen nicht möglich ist, sämtliche Quellen des in die Immobilienblase geflossenen Geldes exakt zu erfassen, so ist doch hinreichend bekannt, dass nur ein Teil dieser Investitionen aus den USA selbst stammt. Ein erheblicher Teil des Geldes strömte aus aller Welt in die USA. Dies ist auch gut daran zu erkennen, dass Banken in aller Welt auf Grund der Not leidenden US-Immobilienkredite nun vor dem Aus stehen. Dem aktuellen Bericht (April 2008) des US Department of the Treasury „Foreign Portfolio Holdings of U.S. Securities“[14] ist zu entnehmen, dass die größten Ankäufer so genannter „Asset-backed securities“ (ABS) in Japan, China, Großbritannien, auf den Cayman Islands, in Luxemburg, Kanada, Belgien, Irland, Schweiz, in den Niederlanden sowie in den Ölexportierenden Ländern des Mittleren Ostens zu finden sind. Ein wesentlicher Teil des Geldes wurde von US-Banken neu geschöpft. Dieser Vorgang bedarf einer Erläuterung, denn die Schöpfung von Geld ist wohl die seltsamste und unbegreiflichste seiner Eigenschaften.


Geldschöpfung 1.0 – „ nach Lehrbuch“

Das Geld kommt in die Welt, indem es von Banken „aus dem Nichts“ (Schumpeter) geschöpft wird. Dieser Schöpfungsvorgang erfolgt in der Vergabe von Krediten; Geld entsteht erst im Kredit.

Dieser Vorgang erscheint dem Laien zunächst unverständlich. Als glaubhafte Quelle mag die Deutsche Bundesbank dienen, welche die „multiple Giralgeldschöpfung“ folgendermaßen erklärt:

Das Bankensystem [ist] aber auch in der Lage, durch Gewährung von Krediten aktiv Giralgeld entstehen zu lassen und damit die Geldmenge insgesamt zu erhöhen. [...] Der Geldschöpfungsprozess erscheint damit wie Zauberei: Die Banken schöpfen anscheinend selbst Geld, ohne die Deutsche Bundesbank nötig zu haben.[15]

Diese Geldschöpfung aus Kredit entspricht dem Vorgang, dass der von der Bank erteilte Kredit dem Kreditnehmer unmittelbar als Geld zur Verfügung steht, mit welchem er dann Waren und Dienstleistungen bezahlt. Die Bank hat ihm dabei Geld geliehen, welches sie selbst zuvor noch gar nicht hatte – Geld, welches es noch gar nicht gab. Geld entsteht also nicht, indem man es sich verdient, sondern, indem es sich zuvor jemand leiht.

Um in der Kreditvergabe neues Geld zu schöpfen, benötigt die Bank lediglich zwei Zutaten: Kreditnehmer und die gesetzlich vorgeschriebene Mindestreserve. Im Euro-Währungsraum liegt der Mindestreservesatz bei 2%: für je 100 Euro, die Banken durch Kredit „aus dem Nichts“ schöpfen, müssen sie jeweils 2 Euro Mindestreserve bei der Zentralbank halten.[16] Anders ausgedrückt: die Banken können maximal die 50-fache Menge ihrer Mindestreserve als neues Geld schöpfen und an Kreditnehmer verleihen. Auch die Anzahl der Kreditnehmer ist begrenzt – denn sie müssen den Banken im Austausch gegen die erhaltenen Kredite entsprechende Sicherheiten verpfänden. Nachdem das Geld nun geschöpft wurde, bringt es der Kreditnehmer in Umlauf; im Beispiel des Häuslebauers erhält dieser z.B. einen Kredit über 1 Mio. US-Dollar. Er kauft damit das Grundstück und bezahlt Architekten, Handwerker und Bauunternehmer. Der Verkäufer des Grundstücks, sowie Architekt, Handwerker und Bauunternehmer haben „sich das Geld verdient“, welches der Häuslebauer der Bank schuldet. Die Schulden des Einen sind somit das Geld des Anderen; das Geld ist durch das Schuldversprechen des Kreditnehmers gedeckt und erhält seinen Wert durch die gesellschaftliche Annahme, dass der Schuldner seine Schulden eines Tages zurück zahlen wird.


Das Geld belebt die Wirtschaft und generiert dem Staat Steuern. Im Falle eines Immobilienkredits geben die am Hausbau beteiligten Architekten, Handwerker und Bauunternehmer das verdiente Geld aus und kaufen sich davon ihrerseits z.B. wieder Häuser, Autos oder Fernseher und zahlen bei jedem Umlauf des Geldes Steuern an den Staat.


Geldschöpfung 1.0
Kreditnehmer Bank
gibt Sicherheit erhält Sicherheit
erhält Geld vergibt Kredit


Die Prozesse der „Geldschöpfung 1.0“ lassen sich zusammenfassend folgendermaßen beschreiben: Durch die Vergabe von Krediten schöpfen Banken Geld „aus Nichts“; der Kreditnehmer erhält Geld, die Bank erhält eine Sicherheit.

Die durch diesen Schöpfungsvorgang mögliche Geldmenge ist begrenzt durch die gesetzliche Mindestreserve und das Vorhandensein kredittauglicher Sicherheiten.

Geldschöpfung 2.0 – „amerikanisch“

Die Anomalie der US-Immobilienblase beginnt mit dem Finden immer neuer Kreditnehmer. Normalerweise ist die Zahl der Kreditnehmer dadurch begrenzt, dass Banken für ihre Kredite Sicherheiten verlangen; nur wer eine Sicherheit anzubieten hat, kann einen Kredit erhalten.

Geld wird also nicht wirklich nur „aus dem Nichts“ geschöpft, sondern es bedarf auch eines „Etwas“: des als Sicherheit verpfändeten Eigentums[17], z.B. eines Grundstücks.

Da Sicherheiten nur begrenzt verfügbar sind, ist –nach Lehrbuch – auch die Zahl der Kreditnehmer, genauer gesagt die Summe der Kredite, begrenzt. Die Höhe der im Kredit geschöpften Geldmenge steht somit in einem Verhältnis zu den vorhandenen Sicherheiten. Mit anderen Worten: die Geldmenge ist durch das Vorhandensein an verpfändbarem Eigentum begrenzt.

In den USA wurden jedoch in zunehmendem Maße auch dann Kredite vergeben, wenn nur sehr geringe oder gar keine Sicherheiten vorhanden waren: die so genannten „Subprime Mortgages“, Kredite mit mangelhafter Sicherheit. Außerdem wurden Immobilien, die bereits als Sicherheiten eingebracht waren, auf Grund der gestiegenen Immobilienpreise neu und nun höher bewertet und mit weiteren Krediten belastet: deren Eigentümer erhielten von den Banken weiteres Geld. Hierdurch stiegen Geldmenge und Nachfrage nach Immobilien weiter. Dadurch stiegen die Immobilienpreise. Dadurch konnten die bereits hinterlegten Sicherheiten von den Banken erneut höher nachbeliehen werden. Dadurch wurde wieder mehr Geld geschöpft. Dadurch stiegen die Immobilienpreise. Und so weiter und so fort.

Es wurde also mehr Geld geschöpft, als es nach dem Prinzip traditioneller Geldschöpfung überhaupt möglich gewesen wäre – sehr viel mehr Geld, als verpfändbares Eigentum zur Verfügung stand. Die so geschöpfte Geldmenge blähte die Immobilienblase soweit auf, bis sie vor ihrem Platzen etwa 20% des weltweiten Bruttosozialprodukts enthielt – aus dem Nichts geschöpftes Geld, das durch keine entsprechenden Sicherheiten gedeckt war.

Diese neue Methode der „Geldschöpfung 2.0“ wurde ermöglicht, weil es den US-Kreditinstituten gelang, die Schuldversprechen der Häuslebauer in alle Welt weiterzuverkaufen und somit das Ausfallrisiko der Kredite zu externalisieren.

Um diesen Trick der Externalisierung des Ausfallrisikos zu ermöglichen, mussten die Schuldversprechen der vielen einzelnen Kreditnehmer handelbar gemacht werden. Dies geschah durch die so genannte „Verbriefung“ (engl.: securitization), einem technischen Vorgang, bei dem die Schuldversprechen zahlreicher Kreditnehmer sozusagen in „Wundertüten“ verpackt in handelbaren Wertpapiere verwandelt werden: so genannte "Mortgage Backed Securities" (MBS)[18]. Diese MBS-Wundertüten konnten dann wiederum in noch größere Wundertüten umgepackt, den „Collateralized Debt Obligations“ (CDO)[19]. So verpackt in Wundertüten wurden nun die Schuldversprechen in alle Welt verkauft, wodurch deren Käufer nun zu den eigentlichen Kreditgebern des Immobilienbooms wurden. Die Welt lieferte Geld, die USA in Wundertüten verpackte Schuldversprechen[20] (im folgenden Text vereinfacht als „Immobilienanleihen“ bezeichnet).

Diese Immobilienanleihen wurden von Investoren aus aller Welt stark nachgefragt, da sie von US-Ratingagenturen bestmöglich mit „AAA“ bewertet wurden, jedoch wesentlich höhere Renditen erzielten, als andere „AAA“-bewertete Papieren, beispielsweise US-Staatsanleihen.

Zunächst gewannen alle Beteiligten; die amerikanischen Bürger erhielten Kredite für den Bau von Häusern, Hedgefunds und andere Investoren konnten am boomenden US-Immobilienmarkt teilhaben und erhebliche Gewinne erzielen, die Kreditinstitute verzeichneten hohe Einnahmen, die US-Wirtschaft brummte. Durch den Verkauf von Immobilienanleihen konnten die US-Defizite und Militärausgaben nun scheinbar mühelos finanziert werden.

Jedoch hat diese neue Methode der Geldschöpfung einen für das langfristige Funktionieren der Weltwirtschaft schwerwiegenden Mangel: Die Geldschöpfung kann in nahezu unbegrenzter Höhe erfolgen. Denn aufgrund des Weiterverkaufs der Schuldversprechen, also der Externalisierung des Kreditrisikos, benötigt die „Geldschöpfung 2.0“ weder Sicherheiten, noch belastet sie die Mindestreserven der Banken.


Geldschöpfung 2.0
Kreditnehmer Bank Ratingagentur Investor
erhält Geld vergibt Kredit
bündelt Kredite in „Wundertüten“ vergibt „AAA“ auf „Wundertüten“
verkauft „Wundertüten“ kauft „Wundertüten“
erhält Geld gibt Geld
externalisiert Risiko trägt Risiko


Die Prozesse der „Geldschöpfung 2.0“ lassen sich zusammenfassend folgendermaßen beschreiben:

Durch die Vergabe von Krediten schöpfen Banken Geld „aus Nichts“. Die Banken bündeln die mit dem geschöpften Geld gleichzeitig entstehenden Schuldversprechen in „Wundertüten“. Ratingagenturen attestieren diesen Wundertüten mit „AAA“ die höchste Sicherheit, obwohl den Krediten großenteils keine brauchbaren Sicherheiten zu Grunde liegen. Investoren aus aller Welt decken sich mit den hochrentablen und angeblich sicheren Wundertüten ein. In Erwartung hoher Renditen finanzieren diese Investoren nun die Kredite und tragen deren Ausfallrisiken.

Die durch diesen neuen Schöpfungsvorgang mögliche Geldmenge ist nahezu unbegrenzt – Mindestreserven werden nicht belastet, Sicherheiten nicht benötigt.

Bevor wir uns nun der Frage zuwenden, wo dieses in großen Mengen „ohne Sicherheiten aus dem Nichts“ geschöpfte Geld hin ist, sollten wir zunächst nach den Besonderheiten dieses Geldes fragen: welchen Wert hat dieses Geld und unterscheidet es sich von anderem Geld, dessen Schöpfung durch verpfändete Sicherheiten abgesichert ist? Was ist sein Wert und ist es genauso „echt“?

Verfall des Dollars

Die durch die oben beschriebene „Geldschöpfung 2.0“ dramatisch erhöhte Dollarmenge führte zu einem entsprechenden Verfall der Kaufkraft des US-Dollars. Oder anders ausgedrückt: die Preise von Rohstoffen stiegen, während der US-Dollar fiel.

thumb|500px|Abb. 1: Dollarverfall zwischen Januar 2000 und Januar 2009.UNIQ4237d1c8691e9fce-nowiki-0000003D-QINU21UNIQ4237d1c8691e9fce-nowiki-0000003E-QINU

Die Größenordnung des Dollarverfalls in den sieben Jahren nach den Anschlägen vom 11. September lässt sich gut erkennen, wenn man den Wert des US-Dollars im Vergleich zu Öl, Gold und Euro betrachtet. Während der Preis von Öl in US-Dollar ausgedrückt immer weiter in die Höhe schoss – von etwa 25 US-Dollar in 2001 auf 140 US-Dollar in 2008 –, pendelte das Verhältnis von Öl zu Gold jahrelang nahezu unverändert um den Wert von etwa 1/10 Unze Gold pro Barrel Öl (Abb. 1).

Überall war zu hören, das Öl habe sich verteuert, der Ölpreis sei explodiert. Aber zutreffender wäre die Feststellung, dass der der US-Dollar an Kaufkraft verloren hatte – und zwar im Vergleich zu Öl bis auf ein Sechstel seines Wertes gefallen war. Besser erging es dem Euro: er war zwar nicht so stabil wie Gold, aber immer doch noch deutlich stabiler als der US-Dollar. Gegenüber dem Euro büßte der US-Dollar rund 40% seines Werts ein (von 0,90 in 2001 auf 1,59 US-Dollar pro Euro in 2008).

Seit dem vollen Ausbruch der Krise Ende 2008 ist nun ein gegenläufiger Trend zu beobachten: die Kaufkraft des Dollars im Vergleich zu Öl steigt, bzw. der Ölpreis fällt. Die wesentlichen Gründe dafür sind in der Erwartung einer weltweiten Rezession und der damit einhergehenden verringerten Nachfrage nach Erdöl zu sehen. Diese fallende Nachfrage führt zu entsprechend fallenden Preisen.

Zudem besteht derzeit eine erhöhte Nachfrage nach US-Dollar, da die über viele Jahre aufgetürmten US-Dollar-Schulden nun überstürzt „rückabgewickelt“ werden. Um die zur Schuldentilgung notwendigen US-Dollarmengen auftreiben zu können, sehen sich viele Schuldner gezwungen, andere Werte (etwa Aktien oder Gold) gegen US-Dollar zu verkaufen (das so genannte „Deleveraging“). Hierdurch steigt der US-Dollar, während die meisten anderen Werte fallen. Die genannten Effekte dürften jedoch kurzfristiger Natur sein, nach deren Wirken ein weiterer Verfall des US-Dollars wahrscheinlich scheint.

Zusammengefasst: Die erhöhte Dollarmenge führte zu einem Verfall der Kaufkraft des US-Dollars.

Falschgeld – die Finanzpolitik der USA

Die Motivation, Falschgeld zu drucken, besteht darin, sich fremdes Eigentum anzueignen. Dies ist möglich, da man zu seiner Schöpfung kein bereits vorhandenes Eigentum verpfänden muss, sondern die Blüten einfach druckt und dann mit diesen einkaufen geht.

Ganz anders bei „echtem“ Geld: dieses erhält der Kreditnehmer unter Leistung einer Sicherheit. Er muss seine Schulden also zurückzahlen, um sein Eigentum aus der Verpfändung wieder zu lösen. Solange er statt seines Eigentums nun frei über das im Kreditvertrag erhaltene Geld verfügt, ist er gezwungen, mit diesem Geld gewinnbringend zu wirtschaften, da er – nach Bedienung des Kredits – sein verpfändetes Eigentum zurückerhalten will. „Echtes“ Geld läuft im Kreis, denn es muss an den Kreditgeber zurückgegeben werden. Falschgeld läuft nicht im Kreis, da ihm weder Kredit noch Sicherheit zu Grunde liegt. Mit „echtem“ Geld kauft man sein eigenes Eigentum zurück, mit Falschgeld ergaunert man sich fremdes Eigentum.

Aus dieser Sicht des Eigentums ist das in den USA mittels „Geldschöpfung 2.0“ geschöpfte Geld von Falschgeld kaum zu unterscheiden. Da bei seiner Schöpfung nur geringe bis keine Sicherheiten geleistet wurden, konnte mit diesem Geld fremdes Eigentum in großem Stil angeeignet werden: Grundstücke, Häuser, Autos, ...

Wer Falschgeld druckt, steht zunächst vor einem unangenehmen Problem: er muss es möglichst unauffällig in Verkehr bringen, es schnell gegen „echtes“ Geld oder Waren eintauschen. Wie Geld unauffällig in Verkehr gebracht werden kann, erläuterte der US-Zentralbankchef Ben Bernanke am 21. November 2002 in einer beachtenswerten Rede, die ihm den Spitznamen „Hubschrauber-Ben“ einbrachte, da er unter anderem auch die Möglichkeit erwähnte, Geld zu verteilen, indem es aus Hubschraubern abgeworfen wird. Da dies jedoch keine besonders diskrete Methode darstellt, führte Bernanke bei dieser Gelegenheit andere, sehr viel elegantere Methoden zur Verteilung von Geld an. Als eine dieser Möglichkeiten nannte Bernanke ausdrücklich auch das Anschieben der Immobilienbranche:

Für die Fed bestünde noch eine weitere Möglichkeit; sie könnte ihre Autorität nutzen und in den Märkten für Verbindlichkeiten der staatlichen Agenturen tätig werden (z.B. Mortgage Backed Securities – hypothekarisch besicherte Wertpapiere – von Ginnie Mae, der Government National Mortgage Association).[22]

Diese Rede ist bemerkenswert, da sie – ein Jahr nach dem 11. September – zu einem Zeitpunkt gehalten wurde, als die USA vor dem Problem der Finanzierung ihrer Kriege bei gleichzeitiger Finanzierung ihrer Defizite stand. Aus dieser Situation heraus wurden damals die Grundlagen für die nun ausgebrochene Finanzkrise gelegt. Die Rede zeigt, dass diese Thematik besondere Beachtung fand: die Versorgung der Wirtschaft mit Geld zu Zeiten widriger Umstände. Und ebenso, dass man zu diesem Zwecke auch vor ungewöhnlichen Maßnahmen nicht zurückschrecken würde. Nur auf den Hubschrauber wollte man lieber verzichten.

Doch wie könnte man Geld drucken und es möglichst unauffällig in den Wirtschaftskreislauf einspeisen? Über mögliche Alternativen zum Hubschrauberabwurf wurde innerhalb der Fed verzweifelt diskutiert.[23] Diese Verzweiflung wird anhand der sarkastischen Witzen deutlich, mit denen die Diskussionen immer wieder aufgelockert werden: Alan Greenspan schlägt scherzhaft vor, mit dem Geld Washingtons Senatoren zu kaufen – so hätte man zugleich auch mehr Einfluss auf die Politik des Finanzministeriums:

MR. GRAMLICH: [...] Es gibt nur eine Möglichkeit, wie das Schatzamt für uns zusätzliche Staatsanleihen ausgeben oder im Markt anbieten kann, damit wir sie dann kaufen können: sie muss Defizite machen oder Vermögenswerte kaufen. Wir könnten eine Studie hierzu machen, aber könnte sie zu einem anderen Ergebnis kommen? So meine Vermutung, Al [gemeint Alan Greenspan], ich hoffe, dass wir zum letzten Mal über dieses Thema gesprochen haben! [Gelächter]
MR. BROADDUS: Nun, sie müssen nicht unbedingt Vermögenswerte kaufen. Sie könnten genauso gut die Steuern senken. Dadurch wird die Finanzpolitik nicht eingeschränkt.
MR. GRAMLICH: Aber das bedeutet Defizit. Das ist die Defizitoption. Was auch immer man über Defizite denken mag, ich glaube sie sollten Teil der fiskalischen Planung sein. Und ich will nicht, dass das Schatzamt seine Planung nur deswegen ändert, damit wir etwas unternehmen können, das nur eine zweitrangige Verbesserung der Geldpolitik darstellt. Ich glaube einfach nicht, dass es das wert ist.
CHAIRMAN GREENSPAN: Ich nehme an, es wäre am Besten, wenn wir Washingtoner Senatoren kaufen!
MR. GRAMLICH: Oder das Schatzamt könnte sie kaufen und uns dann darüber ein Wertpapier ausstellen. [Gelächter][24]

An anderer Stelle führt Greenspan an, die Fed könne soviel Geld drucken, wie sie wolle, und dann damit Baseballteams kaufen:

CHAIRMAN GREENSPAN: [...] Als Zentralbank könnten wir auch einfach Geld drucken und Vermögenswerte kaufen – wir könnten für alles, was wir brauchen, Baseballteams kaufen – und dabei so viel Geld erzeugen, wie wir wollen.[25]

Von Jerry L. Jordan stammt der Vorschlag, das Geld mittels einer Lotterie zu verteilen:

MR. JORDAN: Da dies ja eine akademische Diskussion ist: als Teil einer pädagogischen Übung würde ich es genau andersrum machen. Wie könnte man als Zentralbank die Geldmenge erhöhen, wenn man nicht die Möglichkeit hat, Staatsanleihen oder etwas ähnliches zu kaufen? Meine Antwort wäre, einfach eine Lotterie mit positiver Gewinnausschüttung zu betreiben. Ohne Zweifel könnte man schrecklich viele Lose verkaufen [Gelächter] wenn man eine Lotterie mit positiver Gewinnausschüttung hätte, die dem Konto des Gewinner gutgeschrieben wird. Man kann die Geldmenge aufblasen so viel man will.[26]

thumb|400px|Abb. 2: Ankauf von Mortgage Backed Securities durch die Federal Reserve, 2000–2007UNIQ4237d1c8691e9fce-nowiki-0000004F-QINU27UNIQ4237d1c8691e9fce-nowiki-00000050-QINU

Tatsächlich hat die Fed aber weder Baseballteams gekauft, noch das Geld per Lotterie verteilt. Sie hat einen besseren Weg gefunden: den Kauf von Immobilienanleihen. Die Fed pumpte Geld in den Hausbau und schob somit die Immobilienblase an.

Eigentlich sind der Fed marktverfälschende Eingriffe untersagt und so hätte dieser Ankauf von Immobilienanleihen gegen die Statuten der Fed verstoßen. Die entsprechenden Passagen waren aber bereits im August 1999 vorübergehend außer Kraft gesetzt worden, um der Fed während des „Jahrhundert-Datumswechsels“ zusätzliche Möglichkeiten einzuräumen, das Geldsystem überaus großzügig mit Liquidität zu versorgen.[28] Diese Ausnahmeregelung wurde in Folge jeweils um ein weiteres Jahr verlängert; ab 2003 wurde die Ausnahme dann zur neuen Regel[29] und die Fed finanzierte den Immobilienboom durch immer größere Ankäufe von Immobilienanleihen (Abb. 2).

Zusammengefasst:
Salopp gesprochen handelt es sich bei einem erheblichen Teil des in der Immobilienblase zusätzlich in Umlauf gebrachten Geldes eigentlich um Falschgeld; es wurde ohne Hinterlegung von Sicherheiten geschöpft und großzügig an Immobilienkreditnehmer verteilt. Im Resultat kommt diese Verteilung ungedeckten Geldes dem Geldabwurf aus einem Hubschrauber gleich.

Bust: Wo ist das Geld hin?

Der Wert der Immobilienanleihen ist ins Bodenlose gefallen, Banken mussten Konkurs anmelden und große Vermögen wurden vernichtet – aber wo ist das Geld geblieben? Über diese Frage herrscht allgemeine Ratlosigkeit. Nach einigem Rätselraten und Suchen findet sich zumeist nur die wenig erhellende Antwort: das Geld ist verschwunden. Selbst einige Fachleute gehen davon aus, dass sich das Geld einfach in Luft aufgelöst hat, wie etwa folgende Szene aus der Fernsehsendung „Hart aber fair“[30] zeigt:

Zuschauerfrage: „Wie lösen sich zig Milliarden einfach so in Luft auf? Irgendjemand muss doch von der ganzen Sache profitieren.“
Hilmar ,Peanuts‘ Kopper[31]: „Nein die Lösung, ja die, sie, äh, sie entfallen wieder. So wie wenn die Börse steigt, kommt Geld dazu. Können Sie sagen wo kommt das denn her? Ist plötzlich das Depot; der letzte Aktienbesitzer hat plötzlich; sein Vermögen wird mehr wert. Wenn die Börse runtergeht wird es weniger wert.“
Prof. Dr. Rudolf Hickel[32]: „Bei Aktien kann man‘s so erklären: wenn Aktienkurse fallen, weil sie überbewertet waren, wird in der Tat – das kann man dem Anrufer sagen – wird Kapital schlichtweg verbrannt.“

Folgt man der Meinung von Kopper und Hickel, dann hat sich das in dieser Immobilienblase verlorene Geld tatsächlich in Luft aufgelöst; es wurde schlichtweg verbrannt. Diese Antwort klingt schon sehr simpel: wer soll denn das Geld verbrannt haben? Wie geht das?

Zunächst stellt sich die Frage, ob und wie Geld überhaupt verschwinden kann. Erfreulicherweise ist diese Frage verhältnismäßig einfach zu beantworten: Geld verschwindet auf die gleiche Weise, wie es auch entsteht. Es entsteht im Kredit und verschwindet erst wieder, wenn der seiner Schöpfung zu Grunde liegende Kredit getilgt wird. Es verschwindet erst, wenn die Schulden an die Bank zurückgezahlt werden. Dann löst es sich tatsächlich in Luft auf.

Solange Kreditnehmer das ihnen geliehene Geld nicht zurückzahlen, solange zirkuliert es aber noch. Da ein großer Teil der Immobilienkredite nicht getilgt wurde, muss dieser Teil des Geldes noch vorhanden sein. Kopper und Hickel haben sich also anscheinend durch einen Trick täuschen lassen. Aber wie funktioniert dieser Trick und wo ist das Geld hin?

Der Blasentrick.

Das Geld scheint auf ebenso unerklärliche Weise verschwunden zu sein, wie die Erbse beim trickbetrügerischen Hütchenspiel. Auch hier ist und bleibt die Erbse verschwunden, zumindest solange man nur unter das eine Hütchen blickt, unter dem man gerade eben die Erbse noch gesehen hatte.

Natürlich ist sie aber nicht wirklich verschwunden, sondern liegt unter einem der anderen Hütchen. Verhält es sich mit dem in der Immobilienblase verschwundenen Geld vielleicht so, wie mit der Erbse unter dem Hütchen? Könnte es sein, dass das Geld gar nicht wirklich verschwunden ist, sondern nur trickreich bewegt wurde?

thumb|500px|Abb. 3: Der Gaukler (Hieronymus Bosch, 1450–1516)

Wir können den Weg des Geldes einfach verfolgen: es kam in die Welt, indem US-amerikanischen Bürgern Immobilienkredite gewährt wurden. In Umlauf gebracht wurde es dann, als die Kreditnehmer dieses Geld in Immobilien investierten. Unter den ersten, die sich dieses Geld dann ehrlich verdienten, waren Bauunternehmer, Handwerker, Grundstücksverkäufer, Architekten, Makler etc. Hier begann die trickreiche Bewegung des Geldes, denn der Geldstrom spaltete sich nun in zwei Richtungen auf: ein Teil des Geldes ging als Steuern an den US-amerikanischen Staat, der andere Teil wurde von den Bauunternehmern, Architekten etc. für weitere Investitionen oder Konsum genutzt. Bei jedem Umlauf spaltete sich der Geldstrom erneut in Steuern und Konsum auf und verzweigte sich immer weiter. Auf diese Weise ist der Inhalt der sich blähenden Blase über den USA fein verteilt als Geldregen niedergegangen, kurbelte die US-amerikanische Wirtschaft an und bescherte dem Staat Steuereinnahmen.

Da die USA ein erhebliches Handelsbilanzdefizit aufweisen, floss ein Teil dieses Geldregens – im Tausch gegen importierte Waren – weiter in alle Welt. Kaum in der Welt angekommen, floss ein Teil gleich wieder zurück in die USA, um in angeblich sicheren Immobilienanleihen angelegt zu werden. Der Verkauf von weiteren Immobilienanleihen erlaubte die Vergabe weiterer Immobilienkredite und so regnete das Geld erneut über den USA nieder und floss von dort in die Welt – wiederum im Austausch gegen Waren. Auf diese Weise pendelte das Geld zwischen den USA und der Welt hin und her: Geldregen über den USA und dessen Abfluss in die Welt, wieder und wieder. Bei jedem Durchgang förderte das Geld Waren in die USA und Immobilienanleihen in die Welt. Und hierin liegt die eigentliche Täuschung: man fragt sich, wo das Geld geblieben ist. Dabei sollte man nicht nach dem Geld, sondern den entstandenen Schulden und den gelieferten Waren fragen. Denn das Geld vermehrte sich durch dieses Hin- und Herpendeln nicht, aber bei jedem weiteren Durchgang erhöhten sich die Schulden der USA gegenüber der Welt (und die Warenlieferungen der Welt an die USA).

Dieser Vorgang entspricht bildhaft folgender Situation: Sie gehen regelmäßig in einem feinen Lokal essen. Nachdem Sie Ihre Rechnung bezahlt haben, leiht Ihnen der Wirt das Geld zurück und Sie unterschreiben ihm einen Schuldschein. Der Wirt macht das, weil Sie ihm Zinszahlungen versprechen und ein stadtbekannter Kaufmann sind. Das geht einige Jahre so und jedes mal bezahlen Sie mit dem gleichen Geldschein, den Ihnen der Wirt am Ausgang im Austausch gegen einen weiteren Schuldschein wieder zurückgibt. Nach einigen Jahren möchte der Wirt die Schulden samt Zinsen von Ihnen beglichen haben, aber Sie haben immer noch nur den einen Geldschein und können Ihre Schulden nicht bezahlen. Und so geben Sie dem Wirt den Geldschein ein letztes Mal. Das Geld landet zwar am Ende beim Wirt, deckt aber nur den allerkleinsten Teil der Schulden.

Die Pendelbewegung des Geldes zwischen den USA und der Welt war nicht nur Motor der US-amerikanischen Wirtschaft, sondern auch der Weltwirtschaft, die eifrig Waren für die USA fertigte, wofür sie im Gegenzug Immobilienanleihen erhielt. Der beständige Geldregen über den USA hatte enorme Ausmaße angenommen: mit dem Verkauf von Immobilienanleihen, und Industrieanleihen ins Ausland konnten die USA die Hälfte ihres jährlichen 800-Milliarden-Dollar Handelsbilanzdefizits finanzieren.[33] Sie konnten also weiterhin problemlos mehr Waren aus dem Ausland importieren als sie Waren exportierten, etwa T-Shirts aus China oder Autos aus Deutschland. Dieser Zustrom von Geld in die USA erlaubte aber nicht nur den Kauf von T-Shirts, Autos, etc. – vielmehr half er auch, die Kriege in Afghanistan und im Irak zu finanzieren, ohne durch die hohen Kriegsbelastungen die US-Wirtschaft zu lähmen. Auf diese Weise wurden die Kosten der US-amerikanischen Kriege schließlich von der ganzen Welt getragen.

Die Einnahmen dienten aber nicht nur als schier unerschöpfliche Geldquelle, sondern auch als Indikator für die Gesundheit der US-amerikanischen Wirtschaft: denn angesichts ständig steigender Kriegskosten und der zunehmenden US-Defizite wurde stets mit Hinweis auf die starke Immobilienbranche betont, dass die US-amerikanische Wirtschaft brumme und die USA daher die hohen Kriegskosten sowie ihre Defizite locker wegstecken können. Doch das Geld war aus aller Welt geliehen, die Wirtschaft brummte auf Pump.

Bemerkenswerter Weise hat die Idee, Kosten von Kriegen durch Immobilienanleihen zu finanzieren, in den USA eine gewisse Tradition: Schon 1968, als der von der US-Regierung 1938 gegründete staatliche Immobilienfinanzierer Fannie Mae von der Regierung Johnson an die Börse gebracht wurde, sollten die Erlöse helfen, den Vietnamkrieg zu finanzieren.[34] Auch im amerikanische Bürgerkrieg kam es zu einer ungewöhnlichen Form der Kriegsanleihe: die Südstaaten finanzierten ihre Kriegskosten durch den Verkauf von Baumwollanleihen.[35]

Als die Fed die Zinsen im März 2006 wieder auf ein nachhaltiges Niveau angehoben hatte und die Immobilienpreise schließlich nicht mehr weiter stiegen, kam die Blase zum Platzen und die Pendelbewegung des Geldes zum Erliegen. Dabei regnete das Geld ein letztes Mal fein verteilt über den USA nieder. Während die an die USA gelieferten Waren jedoch noch vorhanden sind, hat sich der Wert der Immobilienanleihen mittlerweile größtenteils in Luft aufgelöst, aber es ist kein Geld verschwunden. Denn hierin liegt der Trick, dem Kopper, Hickel und andere aufgesessen sind: das Geld ist nicht verschwunden, sondern die mit dem Geld gekauften Immobilienanleihen wurden wertlos. Dabei verhält es sich ein bisschen so wie mit sauer werdender Milch: die Milch verliert dabei an Wert, aber es verschwindet kein Geld. Und ähnlich dem Hütchenspiel nutzt auch der Blasentrick die Gier seiner Opfer aus.

Zusammengefasst: Als Folge des Immobilienblasentricks regnete Geld aus aller Welt über den USA nieder und finanzierte das US-Handelsbilanzdefizit: Konsum und Kriege.

Das Spiel mit der Gier.

Zwischen Trickbetrug und Spekulationsblase findet sich eine weitere, erstaunliche Parallele: in beiden Fällen stolpern die Opfer über ihre eigene Gier.

Sowohl beim Hütchenspiel als auch bei Spekulationsblasen sind sich die Opfer zu Beginn der Wette sicher, in ein geringes Risiko mit großer Gewinnchance zu investieren. Angesichts des vermeintlich sicheren Gewinns und getrieben von der eigenen Gier riskieren und verlieren die Opfer große Geldbeträge. Trickbetrügereien kommen daher auch nur selten zur Anzeige, denn der Betrogene müsste anlässlich der Anzeige erklären, sich selbst durch eine Mischung aus Gier, Habsucht und Naivität in diese missliche Situation manövriert zu haben.

Beim Hütchenspiel entsteht der Eindruck einer sicheren Wette durch den „Anreisser“: ein Komplize, den der Hütchenspieler einige Male gewinnen lässt. Bei der US-Immobilienblase entstand dieses Gefühl durch staatliche Programme zur Förderung des privaten Hausbesitzes, den bestmöglichen Bewertungen durch die US-Ratingagenturen und der Tatsache, dass die Immobilienanleihen von staatlichen Immobilienfinanzierern ausgegeben wurden.

Natürlich kann man den Opfern eines Trickbetrugs vorwerfen, dass ihre eigene Gier die erlittenen Verluste erst ermöglicht hat. So, wie man auch geneigt ist, die Schuld an der Immobilienkrise in der Gier der Bankenmanager zu entdecken.

Diese Schuldzuweisung zielt aber zu kurz: denn auch wenn die Gier eine sehr wichtige Rolle spielt, so ist sie doch in beiden Fällen nur der Antrieb, aber nicht das Regelwerk, das die Verluste ermöglicht.

Von der Wirtschaftsblase zur Blasenwirtschaft

Der oben geschilderte Blasentrick ist zwar nicht sonderlich neu, aber dennoch erstaunlich unbekannt. Denn in der Berichterstattung werden platzende Blasen zumeist mit Krisen gleichgesetzt, da der laute Lärm der platzenden Blase davon ablenkt, dass Blasen auch eine positive Seite haben: sie lassen Geld regnen. Immer. Und zwar über dem Land, in dem die Blase ihre Heimat hat. Die Wirtschaftsblasen werden so zum Antrieb einer Blasenwirtschaft, die sich aus dem Geldregen nährt.

Dieser Geldregen kommt dadurch zu Stande, dass die ursprünglichen Investoren nach dem Platzen der Blase ihre Investitionen nicht mehr zurückerhalten, aus ihrer Sicht scheint das Geld verschwunden zu sein. Für die Investoren stellt sich die Blase dann als schmerzhafte Fehlinvestition heraus: die von ihnen gekauften Spekulationsobjekte haben ihren Wert verloren. Das investierte Geld ist jedoch keineswegs weg, sondern es wurde – rechtmäßig – von anderen eingenommen: den Verkäufern der Spekulationsobjekte. Die Einnahmen der Verkäufer entsprechen dabei den Verlusten der Investoren; wenn die Verkäufer Inländer und die Investoren Ausländer sind, dann fließt Geld ins Land.

Als typisches Beispiel seien hier die in der Geschichte immer wieder erfolgten Eisenbahnblasen genannt: In Erwartung großartiger Gewinne kauften Investoren Aktien von Eisenbahngesellschaften, die mit diesem Geld Schienennetze errichteten und Eisenbahnen kauften. Als die Eisenbahngesellschaften Konkurs erklärten und die Eisenbahnaktien ihren Wert verloren, hatten die Investoren auch ihr Geld verloren. Die Schienen jedoch waren verlegt und die Eisenbahnen gekauft. Aus Sicht der Investoren war das Geld nun verschwunden; aus Sicht des Landes, in dem die Eisenbahnen gekauft und die Schienen verlegt wurden, hatte es Geld geregnet, das in die Infrastruktur des Landes geflossen war und für Arbeit und Wohlstand sorgte. Eine modernes Pendant zur Eisenbahnblase ist in der im Frühjahr 2000 geplatzten Dot-Com-Blase zu sehen: Investoren aus aller Welt kauften Telekommunikationsaktien, die Telekommunikationsfirmen gingen pleite, die Aktionäre verloren ihr Geld – aber Rechenzentren, Serverparks, Kabelnetze wurden errichtet und der Reichtum der USA erhöht.[36]

Auch während der „Große Tulpenmanie“ im Holland des 17. Jahrhundert wurde kein Geld vernichtet. Diese Blase folgte der „greater fool“-Theorie: idiotische Spekulanten kaufen Tulpen zu immer schwindelerregenderen Preisen in der optimistischen Annahme, sie noch teurer an noch idiotischere Spekulanten weiterverkaufen zu können. Schließlich platzt die Blase, weil keine idiotischeren Spekulanten mehr zu finden sind. Die letzten Käufer der Zwiebeln stellen sich dann als die allergrößten Idioten heraus, denn sie haben ihr Geld verloren, während die vorletzten noch gewinnen konnten.

Also: Blasen vernichten kein Geld, sie schichten es lediglich im großen Stil um. Dramatischen Verlusten stehen ebenso große Gewinne gegenüber. Das Jammern der Verlierer und das Getöse des Zusammenbruchs vormals großer Vermögen verblendet dabei das Wahrnehmen der Gewinner, die sich sehr viel dezenter im Hintergrund halten und wohlweislich wenig Aufhebens um ihre märchenhaften Gewinne machen.

Etwas anders ausgedrückt: Blasen sind ein Nullsummenspiel – solange Gewinner und Verlierer einer Blase der gleichen Volkswirtschaft entspringen, ändert sich das Gesamtvermögen dieser Volkswirtschaft zunächst nicht. Jedoch können die Nebeneffekte der Vermögensumverteilung zu erheblichen Krisen führen; zu Firmenpleiten, Arbeitslosigkeit, sozialen Spannungen bis hin zu Kriegen. In Folge solcher Krisen wird die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft beeinträchtigt, was dann wiederum zu einem Verlust an volkswirtschaftlichem Vermögen führt. Platzende Blasen verteilen Vermögen nur um; erst die nachfolgenden Krisen können Spannungen erzeugen, die dann auch zu volkswirtschaftlichen Verlusten führen können.

Die Blase wird zum lukrativen Geschäft, wenn die Verluste von anderen getragen werden. Wenn also der Nutzen internalisiert, der Schaden jedoch externalisiert wird. Für eine Volkswirtschaft heißt das: wenn ausländische Investoren in die heimische Blase investieren – wenn Anlagen exportiert werden und Geld importiert wird. Solange die Blase aufgeblasen wird, fördern die Investitionen aus dem Ausland die eigene Wirtschaft. Wenn die Blase dann platzt, müssen diese Investitionen nicht mehr oder nur in stark verringertem Umfang zurückgezahlt werden.

Zusammengefasst: Man kann mit Blasen sehr große Gewinne erzielen, denn Blasen vernichten kein Geld, sondern verteilen es nur um: der Verlust der einen ist der Gewinn der anderen.

„Bubbles made in U.S.A.“ als Exportschlager

Man darf wohl davon ausgehen, dass einem ausgemachten Finanzguru wie dem ehemaligen US-amerikanischen Zentralbankchef Alan Greenspan der alte Blasentrick wohl bekannt ist. Und tatsächlich: in seiner Autobiografie erklärt er, dass das Platzen einer Blase für die US-amerikanische Wirtschaft nicht notwendigerweise katastrophal sein müsse.[37]

Greenspan weist in diesem Zusammenhang auf die Erfahrung hin, die man mit der im Frühjahr 2000 geplatzten Dot-com-Blase[38] gemacht hatte: die US-Wirtschaft hatte das Platzen dieser Blase bereits nach kurzer Zeit ohne gravierende Folgen überstanden, zuvor aber kräftig an ihr verdient. Greenspan führt aus, dass die einzigartige Gewinne der Dot-Com-Blase den USA den größten Haushaltsüberschuss seit 1948 bescherten:

Während der späten 1990er Jahre wuchs die [US]-Wirtschaft mit über 4% pro Jahr. Dies entspricht einem Zuwachs an Wohlstand von etwa 400 Milliarden US-Dollar – der Größe der Wirtschaft der ehemaligen Sowjetunion – den die US-amerikanische Wirtschaft jedes Jahr verzeichnen konnte.[39]

Diese Einschätzung wird auch von anderer Stelle vertreten, etwa dem Nationalökonom und Wirtschaftshistoriker Charles Kindleberger:

Die US-Börsenblase der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ging Hand in Hand mit einem bemerkenswerten Aufschwung der US-Wirtschaft; die Arbeitslosenquote fiel rapide, die Inflationsrate sank und sowohl Wirtschaftswachstum als auch Produktivität nahmen zu. Die US-Regierung erzielte im Jahr 2000 ihren höchsten Haushaltsüberschuss aller Zeiten, nachdem sie noch in 1990 das größte Defizit aller Zeiten verzeichnen musste. Die bemerkenswerte Leistung der Realwirtschaft trug zu dem plötzlichen Anstieg der US-Aktienkurse bei, was wiederum zu einer Zunahme der Investitions- und Konsumausgaben und einer Zunahme des US-Wirtschaftswachstums sowie sprunghaft steigenden Steuereinnahmen führte.[40]

Verglichen mit dem aus aller Welt gespeisten Geldregen stellte das Platzen der Dot-com-Blase nur noch ein geringes Übel dar und so hat Alan Greenspan zweifellos Recht: so ein Blasentrick kann doch sehr lukrativ sein. Dies um so mehr, je länger und größer die Blase aufgeblasen wird und je höher dabei der Anteil ausländischer Investitionen ausfällt.

Nachdem die Dot-Com-Blase den USA schon so märchenhafte Einnahmen beschert hatte, mag es wenig überraschen, dass die Fed keine erkennbaren Anstrengungen unternahm, weitere Blasen zu verhindern. Alan Greenspan verteidigte die passive Haltung der Fed damit, dass man gegen das Anschwellen von Blasen gar nichts unternehmen könne, sondern darauf warten müsse, bis sie von selber platzen.[41] Eine erstaunliche Ansicht, der nicht nur etliche Fachleute deutlich widersprechen[42], sondern die auch im Widerspruch zu Alan Greenspans eigenen Ausführungen an anderer Stelle steht, wonach die Fed im Jahr 1994 eine drohende Spekulationsblase erfolgreich durch Anheben des Zinssatzes um 1/4 Prozent abwenden konnte.[43]

In der Aufarbeitung der im März 2000 geplatzten Dot-com-Blase und den Ereignissen des 11. Septembers erweckte die Federal Reserve nun geradezu den Eindruck, ideale Bedingungen für die Geburt einer neuen Blase schaffen zu wollen: sie senkte die Zinsen, kaufte Immobilienanleihen an und empfahl US-Bürgern die Aufnahme von Immobilienkrediten. Als darauf hin die Immobilienpreise explodierten, spielte die Fed die immer lauter werdenden Bedenken über das Entstehen einer Immobilienblase herunter. Einige Berühmtheit erlangte in diesem Zusammenhang Alan Greenspans Formulierung vom Mai 2005, wonach es sich nicht um eine Blase, sondern höchstens um etwas Schaum handeln würde:

Da ist ein wenig Schaum in diesem Markt [aber] wir halten das nicht für eine landesweite Blase.[44]

Zwei Jahre später räumte Alan Greenspan ein, dass er die Blase als „Schaum“ bezeichnet hatte, um sie herunterzuspielen.[45] Zu der gleichen Zeit, als Greenspan diese beschönigende Einschätzung verschiedentlich in ähnlicher Form wiederholte[46], beschäftigte sich die Fed in ihren internen Besprechungen nun eingehender mit Risiken und Nutzen der kaum mehr zu leugnenden Immobilienblase.

Dabei stellte die Fed fest, dass die Immobilienpreise während den vergangenen Jahre sprunghaft gestiegen waren und somit das Platzen der Blase immer wahrscheinlicher wurde – dieses Risiko jedoch bereits erfolgreich auf Investoren abgewälzt werden konnte:

[…] ein guter Teil des Risikos wurde mittels Verbriefung auf andere Investoren übertragen.[47]

Aus Sicht der Fed gab es also keinen Anlass zur Sorge: der Nutzen des Immobilienbooms diente den USA, dessen Risiko trugen „andere Investoren“.

Zusammengefasst: Wer Blasen exportiert, erzielt große Gewinne; an diesem Geschäftsmodell haben die USA in der Vergangenheit stets kräftig verdient. Den US-amerikanischen Gewinnen standen dabei entsprechende Verluste von Investoren aus aller Welt gegenüber.

Sonderrolle USA

Es drängen sich zwei weitere Fragen auf: Weshalb konnte die Immobilienblase derartig gewaltige und weltumspannende Ausmaße annehmen? Und warum hatte die Krise ihren Ursprung in den USA und nicht in Australien, Österreich oder einem anderen Land?

Die Größe der Blase wird zumeist unter Hinweis auf die grenzenlose Gier der Investoren und der weltweiten Vernetzung intransparenter Finanzmärkte erklärt. Sicherlich, diese Faktoren haben zur Größe der Krise beigetragen, aber warum wirkten diese Kräfte ausgerechnet in den USA am stärksten?

Für den Ursprung in den USA, die weltweite Verbreitung und die Größe der Krise gibt es eine gemeinsame und grundlegende Ursache: die Sonderrolle des US-Dollar als Weltleitwährung. Diese Sonderrolle führt zu zwei erstaunlichen und weitreichenden Konsequenzen:

  1. Die USA leben über ihre Verhältnisse. Denn für den Welthandel stehen nur dann ausreichend US-Dollar zur Verfügung, wenn die USA mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen.
  2. Die Welt investiert große Summen in den USA. Denn um in US-Dollar flüssig zu bleiben, werden Dollarreserven vorzugsweise in US-Titeln (Anleihen, Aktien o.ä.) geparkt.

Die erste dieser beiden Besonderheiten ist seit 1959 als „Triffin-Dilemma“ bekannt, welches sich durch folgenden unauflöslichen Widerspruch ergibt:

  • Die als Weltleitwährung genutzte Nationalwährung muss sicher und stabil sein. Daher muss das Reservewährungsland über eine entsprechend solide Wirtschaft verfügen.
  • Die als Weltleitwährung verwendete Nationalwährung muss außerhalb der Grenzen des Reservewährungslandes in ausreichenden Mengen vorhanden sein. Daher muss das Reservewährungsland mehr Geld ausgeben, als es einnimmt.

Wie aber könnte die Wirtschaft eines Landes langfristig stabil sein und gleichzeitig Defizite aufweisen? Die Problematik wird zudem dadurch verschärft, dass das Reservewährungsland sein Handelsbilanzdefizit immer weiter vergrößern muss, um der wachsenden Weltwirtschaft eine ebenso wachsende Geldmenge zur Verfügung stellen zu können. In dem Maße, in dem das Reservewährungsland nun immer größere Defizite auftürmt, wird das Vertrauen in die Stabilität der Reservewährung zunehmend schwinden, bis es schließlich zu einer Vertrauenskrise kommen muss. Triffin stellte daher fest:

Die Verwendung nationaler Währungen als internationale Reserven stellt in der Tat einen „eingebauten Destabilisator“ im Weltwährungssystem dar.[48]

Sein an Halloween 1959 verfasstes Vorwort schließt mit den wenig optimistischen Worten:

Ob es eine Chance gibt, diese Probleme rechtzeitig genug zu bewältigen, bevor eine größere Krise des internationalen Währungssystems erfolgt, ist eine ganz andere Frage, die nur die Geschichte allein beantworten kann und beantworten wird.[49]

In einer vielbeachteten Rede vom März 2009 forderte Zhou Xiaochuan, Chef der Chinesischen Zentralbank, nichts weniger als die Reform des internationalen Währungssystems. In seiner Rede brachte er dabei seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Ausbruch und weltweite Verbreitung der Finanzkrise ihre zentrale Ursachen im Triffin-Dilemma haben:

Der Ausbruch der Krise und deren Ausbreitung über die ganze Welt spiegelt die inhärenten Verwundbarkeiten und systemischen Risiken des gegenwärtigen internationalen Währungssystems wieder. […] Das Triffin-Dilemma existiert noch, d.h. die eine Reservewährung ausgebenden Nationen können den Wert der Reservewährung nicht erhalten, wenn sie gleichzeitig der Welt Liquidität zur Verfügung stellen. […] Obwohl die Autoritäten, von denen die Reservewährung ausgeben wird, die Krise nicht notwendigerweise beabsichtigt hatten, so ist die Krise dennoch eine unvermeidliche Folge der institutionellen Mängel.[50]

Die zweite oben genannte Eigenart der USA besteht darin, dass sie aufgrund der Sonderrolle des US-Dollar in einem bedeutend höherem Maß ausländische Investitionen anziehen, als jedes andere Land der Welt; im gegenwärtigen Weltfinanzsystem ist geradezu mechanisch festgeschrieben, dass die Welt ihr Geld in den USA anlegt. Denn da die wichtigsten Rohstoffe und Märkte der Welt den US-Dollar als Transaktionswährung verwenden, müssen die Marktteilnehmer und Zentralbanken gigantische ↑Währungsreserven in US-Dollar halten, um sich gegen Markt- und Währungsschwankungen zu wappnen. Da das Einlagern von Bargeld jedoch keine Zinsen abwirft, werden diese Währungsreserven natürlich nicht in Form von Dollarscheinen gehalten, sondern in Form von zinstragenden US-Staatsanleihen[51], die in entsprechend großen Mengen angekauft werden. Wenn also z.B. China durch den Verkauf von T-Shirts an die USA Dollarüberschüsse erwirtschaftet, dann würden diese überschüssigen Dollar zunächst – ohne Zinsen zu tragen – herumliegen und inflationsbedingt ständig an Wert verlieren. Damit das nicht passiert, verleiht China seine überschüssigen Dollar zurück an die USA, die damit dann wieder T-Shirts in China kaufen können. Die erneut verdienten Dollar leiht China dann abermals den USA, die dann noch mehr T-Shirts kaufen können. Und so weiter und so fort. Die USA kaufen T-Shirts, China kauft US-Staatsanleihen.

Weil dies alle Welt so macht, entwickelten sich die USA im Laufe der Zeit – sozusagen zwangsläufig – vom reichsten Land zum höchst verschuldeten Land der Welt. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz führt hierzu aus:

Nach dieser Sichtweise ist das anhaltende Handelsbilanzdefizit der USA auf die Tatsache zurückzuführen, dass der US-Dollar eine Reservewährung ist: andere Staaten horten unentwegt US-Schatzwechsel.[52]

thumb|400px|Abb. 4: Anteil des Finanzsektors an US-amerikanischen WirtschaftsgewinnenUNIQ4237d1c8691e9fce-nowiki-0000009D-QINU53UNIQ4237d1c8691e9fce-nowiki-0000009E-QINU

Diese steigende Nachfrage aus aller Welt nach US-amerikanischen Finanzprodukten führte dazu, dass sich die USA zu einer Nation entwickelten, die in immer größerem Umfang Finanzprodukte anstelle von Waren exportiert. Entsprechend nahm der Anteil des produzierenden Sektors an der US-amerikanischen Wirtschaftsleistung ab, während der Anteil des Finanzsektors dramatisch zulegte (Abb. 4) und die US-Finanzindustrie zu entsprechender Größe und Macht führte. Der politische Einfluss der Finanzindustrie ist im Verlauf der letzten Jahrzehnte dabei so groß geworden, dass Simon Johnson, ehemaliger Chefökonom des IWF, in seinem Aufsehen erregenden Artikel „Der leise Staatsstreich“ von einer faktischen Übernahme der US-Regierung durch die Finanzindustrie spricht und die politischen Verhältnisse der USA mit denen einer Bananenrepublik vergleicht.[54]


Zusammengefasst: Um die Welt mit US-Dollar zu versorgen, müssen die USA mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen: so fließen US-Dollar in die Welt und Waren in die USA. Die Welt sucht für ihre so entstehenden US-Dollar-Reserven gute Anlagemöglichkeiten und kauft mit einem großen Teil ihrer Reserven US-amerikanische Titel (Aktien, Anleihen o.ä.) an: die US-Dollar fließen zurück in die USA.

Diese ständige Nachfrage nach US-Finanzprodukten fördert den Export von US-Finanzblasen in alle Welt, wodurch die Welt die Interessen der USA finanziert.

US-Immobilienanleihen als globale Währungsreserve

Nachdem die Fed in Reaktion auf den 11. September ihre Leitzinsen senkte, warfen auch US-Staatsanleihen entsprechend geringere Zinsen ab. Gleichzeitig führten die niedrigen Leitzinsen dazu, dass die Finanzierung von Immobilien entsprechend leichter fiel, wodurch ein Boom der US-Immobilienbranche ausgelöst wurde. Dieser Boom ließ wiederum die Zinserträge der Immobilienanleihen steigen. Da die US-Immobilienanleihen aber als ebenso sicher galten wie US-Staatsanleihen, kauften Investoren aus aller Welt immer mehr Immobilienanleihen und immer weniger US-Staatsanleihen.

Intern diskutierte die Federal Reserve diesen Effekt bereits am 12. November 2001 und stellte anhand einer Grafik dar, dass sich die USA in zunehmendem Maße nicht mehr durch den Verkauf von Schatzwechseln, sondern dem Verkauf von Immobilienanleihen („MBS“) finanzierten:

Vor fünf Jahren war der Markt von Staatsanleihen noch doppelt so groß wie der MBS-Markt. Nun konvergieren die beiden. Und wenn man eine breitere Definition des MBS-Markts zu Grunde legt, ist dieser sogar größer.[55]

thumb|400px|Abb.: US-Immobilienanleihen verdrängen US-Staatsanleihen

Die niedrigen Leitzinsen der USA führten also dazu, dass der internationale Dollarzustrom umgelenkt wurde – weg von US-Staatsanleihen, hin zu den sehr viel lukrativeren US-Immobilienanleihen. Die Welt lieh ihr Geld also in zunehmendem Maße nicht mehr dem US-amerikanischen Staat, sondern den US-amerikanischen Hauskäufern; Investoren und sogar Zentralbanken kauften große Mengen US-amerikanischer Immobilienschulden[56]. Geld aus aller Welt floss nun in die US-amerikanische Immobilienindustrie, wodurch die Immobilienblase weiter aufgebläht wurde.

Diese auf den ersten Blick erstaunliche Entwicklung wird verständlich, wenn man in Betracht zieht, dass die Zinsdifferenz zwischen Immobilienanleihen und Staatsanleihen zeitweise mehrere Prozent betrug, während beide Anleihen von den Ratingagenturen die bestmögliche Risikobewertung „AAA“ erhielten. Zudem trugen die Immobilienanleihen die Garantien staatlich finanzierter Unternehmen (Government Sponsored Enterprises – GSEs) oder genossen, im Fall von GNMA, sogar „volles Vertrauen und Kredit der US-Regierung“[57]. Da die Immobilienanleihen also quasi-staatlich waren, entdeckten viele Marktteilnehmer keinen großen Unterschied mehr zu Staatsanleihen – außer natürlich den sehr viel höheren Zinserträgen. Auch die Federal Reserve stellte keinen großen Unterschied fest und führte aus: ,Im Grunde sind sie gleichwertig mit Schatzwechseln.‘[58] Die Annahme, die Käufer von US-Immobilienanleihen seien vornehmlich durch ihre Gier getrieben gewesen, ist also etwas zu einfach; denn aus damaliger Sicht war es durchaus vernünftig, US-Immobilienanleihen anstelle von US-Staatsanleihen zu kaufen. Und deshalb haben es auch alle getan.

In dieser Situation war es selbst für diejenigen Marktteilnehmer, die das Risiko einer Immobilienblase realistischer einschätzten, schwer, keine Immobilienanleihen zu kaufen – sie wären Gefahr gelaufen, gegen jene Konkurrenten im Markt zu unterliegen (oder den Arbeitskollegen in der eigenen Bank), die mit Immobilienanleihen kurzfristig größere Erträge erwirtschaften konnten. Vorsichtig zu sein war also auch riskant. Oder, um es mit den Worten von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu sagen: ,Es ist schwierig, mit dem Tanzen aufzuhören, solange die Musik noch spielt.‘[59]

Zusammengefasst: Die Welt investierte zunehmend in US-Immobilienanleihen, da diese im Vergleich zu US-Staatsanleihen höhere Zinserträge bei angeblich gleicher Sicherheit versprachen.

Die Mechanik der Krise

Wir haben nun alle wesentlichen Faktoren besprochen, um uns einen Überblick über die Mechanik der Immobilienkrise verschaffen zu können. Deren wichtigsten Elemente sind:

  • US-Dollar als Weltleitwährung
  • extrem niedrige Zinsen
  • ungedeckte Geldschöpfung 2.0

Die Verwendung des US-Dollar als Weltleitwährung ist die Ursache für die Pendelbewegung des Geldes zwischen den USA und der Welt. Es fließt aus den USA ab, weil die Weltwirtschaft es als internationales Zahlungsmittel benötigt (Triffin). Um ihre US-Dollareinnahmen zinsbringend anlegen zu können, leiht die Welt das Geld den USA wieder zurück – sie kauft US-Staatsanleihen. Die USA geben das Geld wieder aus. Die Welt leiht es wieder zurück.

Aufgrund der extrem niedrigen Zinsen verloren die US-Staatsanleihen an Attraktivität. Die USA boten der Welt eine bessere Anlagemöglichkeit an: US-Immobilienanleihen, die laut US-Ratingagenturen genauso sicher waren wie US-Staatsanleihen, aber sehr viel höher verzinst wurden. Nun pendelte das Geld nicht mehr zwischen der Welt und der US-Regierung, sondern der Welt und den US-Konsumenten hin und her. Der enorme Zufluss an Geld führte zu einem Immobilienboom, wodurch die US-Immobilienanleihen noch interessanter wurden. Das Pendel bewegte sich nun schneller, da die Immobilienkredite direkt bei den US-Konsumenten landeten, die damit wiederum Waren aus aller Welt konsumierten. Ohne „Geldschöpfung 2.0“, also der Vergabe ungedeckter Immobilienkredite, hätte das Pendel sehr bald zum Stehen kommen müssen: es wären keine Kreditnehmer mehr zur Verfügung gestanden. Und ohne Kreditnehmer, keine Kreditverträge. Und ohne Kreditverträge keine Immobilienanleihen.

Dieser Mechanismus führte zu einer Kreditexpansion. Nachdem die Blase nun geplatzt ist, stellt sich heraus, dass ein großer Teil der Kreditnehmer eigentlich nie kreditwürdig gewesen war.

Zusammengefasst: Das Zusammenwirken von US-Dollar als Weltleitwährung, extrem niedrigen Zinsen und Vergabe ungedeckter Kredite führte zu Kreditexpansion, Immobilienblase und schließlich zur Finanzkrise.

Wo ist die Krise?

Wenn Schulden nicht zurückgezahlt werden können, ist dies sowohl für den Gläubiger, als auch für den Schuldner schmerzhaft. Mit einem wesentlichen Unterschied: der Gläubiger hat sein Geld verloren, der Schuldner hat es genutzt; in der Immobilienblase war die Welt Gläubiger und die USA deren Schuldner.

Daher ist die Krise zunächst in aller Welt, denn sie hat den USA Geld geliehen, welches die USA nun schuldig bleiben. Die Krise ist in den USA, denn die USA haben sich Geld geliehen, das sie nicht mehr zurückzahlen können. Sie ist bei all den US-amerikanischen Hausbesitzern, deren Häuser zwangsversteigert werden und die nun in Zelten hausen müssen. Sie ist in den USA, weil das Platzen dieser größten aller Blasen die Sonderstellung des US-Dollar als Weltleitwährung und mit ihr die US-Hegemonie selbst ins Wanken bringt. Am härtesten trifft die Krise jedoch diejenigen, die am wenigsten zur Immobilienblase beigetragen haben: die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt, deren täglicher Überlebenskampf durch die weltweite Rezession nun deutlich schwerer zu gewinnen ist.

Während die Krise möglicherweise den Beginn einer postamerikanischen Ära einläutet, werden die Kosten der Krise vornehmlich nicht von den USA, sondern vielmehr der ganzen Welt gezahlt. Denn Banken und Investoren aus aller Welt hatten, in der Hoffnung auf hohe Gewinne, über Jahre hinaus gutes Geld in die US-amerikanische Immobilienblase gepumpt und müssen nun um ihr Überleben kämpfen – oder sind bereits kollabiert.

Die häufig zu lesende Darstellung, die Krise sei vornehmlich in den USA und würde nun auch nach Europa und in die Welt schwappen ist also nicht zutreffend. Die Immobilienschulden – und damit die Krise – wurden längst in alle Welt verteilt, das in die Immobilienblase investierte Geld regnete jedoch in den USA nieder und förderte dort die Wirtschaft. Die USA haben sich Geld geliehen und die Welt trägt die Verluste.

Die Größenordnung dieses mit Mitteln aus aller Welt gespeisten Geldregens übertrifft dabei die menschliche Vorstellungskraft und stellt womöglich die größte Wirtschaftshilfe der Menschheitsgeschichte dar – der größte Geldregen aller Zeiten, zugunsten der USA, dem mit großem Abstand ohnehin schon am höchsten verschuldetem Land der Welt.

Um ein paar Zahlen zu nennen: die Größe der Immobilienblase wird auf etwa 12.000 Milliarden US-Dollar geschätzt, deren Kreditausfälle auf etwa 2.800 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: das Welt-Bruttosozialprodukt entspricht etwa 78.360 Milliarden US-Dollar, das der EU etwa 18.850 Milliarden US-Dollar.[60]

Auch wenn die USA also einen großen Teil der Kreditausfälle auf Investoren in aller Welt abwälzen konnte, so werden die USA von den Folgen der Krise doch selber schwer getroffen werden. Denn mit dem Platzen der Immobilienblase ist nun eine wichtige Quelle zur weiteren Finanzierung ihres Handelsbilanzdefizits zum Versiegen gekommen. Ohne diese Zuflüsse ausländischer Mittel wird es den USA jedoch in Zukunft kaum noch möglich sein, ihre Defizite und die Kosten ihrer wirtschaftlichen wie militärischen Expansion in gewohnter Weise von der restlichen Welt finanzieren zu lassen. Da die USA aber der Motor der Weltkonjunktur waren, bedroht der Niedergang des US-amerikanischen Systems der Finanzierung auf Pump letztlich die Wirtschaftsordnung der gesamten Welt. Es liegt auf der Hand, dass diese Wirtschaftsordnung nun grundsätzlich neu überdacht und gestaltet werden muss.


Wo ist die Krise?
USA Welt
Geld geliehen verliehen
Krise können Geld nicht zurückzahlen erhält Geld nicht zurück


Zusammengefasst: die USA sind in der Krise, denn sie haben sich Geld geliehen, das sie nicht mehr zurückzahlen können. Die Welt ist in der Krise, denn sie hat Geld verliehen, das sie nicht mehr zurückerhält.

Die Fed-Protokolle und die Rolle der Fed.

Zweifellos hat die Fed durch ihre Politik der niedrigen Zinsen die Grundlage für die Finanzkrise geschaffen. Ist das eine Erkenntnis, zu der man erst im Nachhinein gelangen kann? Oder hätte die Fed wissen können, dass sie mit dem Feuer spielt?

Die Fed hätte es nicht nur wissen können, sie hat es gewusst. Die Fed wusste dabei nicht nur, dass die niedrigen Zinsen ein Spiel mit dem Feuer waren – ihr waren auch alle Zusammenhänge der Wirkmechanismen bekannt, die schließlich zur größten Finanzkrise seit 1929 führten Dies lässt sich heute anhand der nun veröffentlichten Gesprächsprotokolle[61] belegen:

  • die Fed wusste, dass das Zinsniveau gefährlich niedrig war. Nachzulesen im Anhang 1: FOMC, gefährlich niedriges Zinsniveau;
  • die Fed wusste, dass auf Grund der niedrigen Zinsen eine Immobilienblase drohte. Nachzulesen im Anhang 2: FOMC, niedrige Zinsen erhöhen die Gefahr einer Immobilienblase;
  • die Fed wusste, dass der Immobilienboom auch auf der Sonderrolle des US-Dollar als Weltleitwährung beruhte – da der Boom aus den Mitteln der Weltwirtschaft genährt wurde, deren Akteure in zunehmendem Maße US-Immobilienanleihen anstelle von US-Staatsanleihen kauften. Nachzulesen im Protokoll des FOMC Meeting vom 11.12.2001.[62]

Dass die Fed wusste, dass das gefährliche Spiel mit den niedrigen Zinsen nicht lange gut gehen könnte, lässt sich bereits aus dem Gesprächsprotokoll der ersten Sitzung nach dem 11. September ablesen: die gerade erfolgte Zinssenkung wurden als „aggressiv“ bezeichnet und auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Zinsen später in ebenso aggressiver Weise wieder anheben zu müssen:

MR. BROADDUS: "[...] Wir haben die Zinsen aggressiv gesenkt. Ich habe das befürwortet und fühle mich wohl, dass wir das getan haben. Um unsere Glaubwürdigkeit zu steigern, würde ich mich auch wohlfühlen, wenn wir heute Morgen abermals die Zinsen senken. Aber sobald der Aufschwung wieder kommt – und früher oder später wird das passieren – glaube ich, dass wir unseren Kurs umkehren müssen und uns in der entgegengesetzten Richtung ebenso aggressiv bewegen müssen, wie wir jetzt die Zinsen gesenkt haben.[63]

Wenige Monate später – im Protokoll vom März 2002 – findet sich die Feststellung, dass es extrem gefährlich wäre, die Zinsen für ein weiteres Jahr auf diesem niedrigen Niveau zu belassen.[64] Dennoch wurden die Zinsen erst vier Jahre später – im August 2005 – endlich wieder auf das Niveau vom August 2001 angehoben (3,5%). Vier Jahre lang bleiben die Zinsen also auf einem viel zu niedrigen Niveau – ein Niveau, das die Fed ab März 2002 in ihren Besprechungen als „nicht nachhaltig“ bezeichnet hatte.[65] [66] In diesen vier Jahren verzeichneten die Immobilienpreise ihre größten Zuwächse und die USA führten Kriege in Afghanistan und Irak (siehe Grafik). Wenn die Fed jedoch um die Gefahr wusste, die von den niedrigen Zinsen ausging, weshalb hat sie die Zinsen dennoch über Jahre hinweg niedrig gelassen? Die Motive für die fahrlässig niedrige Zinspolitik sind in den Protokollen der Fed nachzulesen:

  • die Fed hat die Zinsen niedrig gehalten, um der Wirtschaft trotz Kriegen und Terrorwarnungen ein positives Wachstum zu ermöglichen. Nachzulesen im Anhang 3: FOMC, Kriege und Terrorwarnungen lähmen die Wirtschaft;
  • dieses Wirtschaftswachstum benötigte den Immobilienboom als seine Grundlage; Nachzulesen im Anhang 4: FOMC, Immobilienboom als Motor der Wirtschaft;
  • die Fed unterschätzte die Größe der Immobilienblase und nahm an, dass das Risiko bereits auf andere (ausländische) Investoren abgewälzt werden konnte. Nachzulesen in den FOMC Minutes vom 29. und 30. Juni 2005.[67]

Da Terror und Kriege negativ auf die Investitions- und Konsumlaune der USA wirkten, erschien es nur logisch, die Zinsen drastisch zu senken und so zieht sich der Zusammenhang von Krieg und Zinsen wie ein roter Faden durch Gesprächsprotokolle, Presseerklärungen und Dokumente der Fed. Als die Fed diese terror- und kriegsbedingte Niedrigzinspolitik begann, ahnte sie jedoch noch nicht, dass es noch Jahre dauern würde, bis die Kriege beendet wären und die Zinsen wieder angehoben werden könnten; die lange Zeitspanne der niedrigen Zinsen hat ihre Ursache in der groben Fehleinschätzung des Irakkriegs. Falls die Fed ihre Fehleinschätzung erkannt hatte, so war es für eine Korrektur ihrer Zinspolitik bereits zu spät: es wäre zu riskant gewesen, die Zinsen anzuheben und damit das Platzen der Immobilienblase zu provozieren, während gleichzeitig die Truppen im Irak noch auf der Suche nach Saddam waren.

Über die Kosten des Irakkriegs liegt eine ausführliche Untersuchung von Joseph Stiglitz und Linda Bilmes vor, in der die Unterschätzung von Dauer und Kosten folgendermaßen geschildert wird:

Die Regierung Bush irrte sich nicht nur hinsichtlich der positiven Effekte des Krieges, sondern auch in Bezug auf die Kriegskosten. Der Präsident und seine Berater rechneten mit einem schnellen, „preiswerten“ Konflikt. Stattdessen haben wir einen Krieg, der mehr kostet, als es sich irgendjemand in seinen schlimmsten Träumen ausgemalt hätte. Die Kosten der direkten US-Militäroperationen […] übersteigen schon jetzt die des zwölfjährigen Krieges in Vietnam und sind mehr als doppelt so hoch wie die Kosten des Koreakrieges. Und selbst im „günstigsten“ Szenario gehen wir davon aus, dass der Irakkrieg fast zehnmal so viel kosten wird wie der Erste Golfkrieg, fast ein Drittel mehr als der Vietnamkrieg und fast doppelt so viel wie der Erste Weltkrieg. Der einzige Krieg in der US-amerikanischen Geschichte, der mehr kostete, war der Zweite Weltkrieg.[68] Vor Kriegsbeginn veranschlagte das „Congressional Budget Office“ die Dauer eines Konflikts im Irak auf zweieinhalb Monate und dessen Kosten auf rund 50 Milliarden Dollar.[69] Heute, über 6 Jahre nach Beginn des Irakkriegs, haben die angefallenen Kosten diese Schätzung bereits um mehr als das 12-fache überstiegen (etwa 634 Milliarden Dollar) – nicht eingerechnet die Kosten des Afghanistankrieg mit weiteren 211 Milliarden Dollar. In ihrer Untersuchung rechnen Stiglitz und Bilmes damit, dass sich die Gesamtkosten allein des Irakkriegs schliesslich auf etwa 2.700 Milliarden Dollar belaufen werden.[70]

Natürlich will die Fed in ihren offiziellen Darstellungen diese Fehleinschätzung nicht betonen und so wird stets vermieden, einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen des 11. September, den nachfolgenden Kriegen und der lange Zeitdauer der zu niedrigen Zinsen herzustellen. Vielmehr wird der 11. September als ein Schock beschrieben, auf den mit Zinssenkungen reagiert werden musste, die anhaltende Niedrigzinspolitik wird jedoch mit der notwendigen Bekämpfung einer drohenden ↑Deflation begründet[71] – ohne dabei Krieg und Terror als Ursache der Deflation zu nennen.

Dabei stehen die gestiegene Deflationsgefahr und der 11. September jedoch in einem untrennbarem Zusammenhang: denn die gestiegene Deflationsgefahr wurde durch den 11. September und seine Folgen verursacht. Auf diesen Zusammenhang wies Alan Greenspan bereits am 17. September 2001 in einer Telefonkonferenz hin und empfahl daher als Gegenmaßnahme, die Zinsen drastisch zu senken:

CHAIRMAN GREENSPAN: "Ohne Zweifel haben die Ereignisse der vergangenen Woche zu einem erhöhten Maß an Angst und Verunsicherung geführt. Hierdurch werden die Vermögenswerte einem deutlichen Abwärtsdruck ausgesetzt, was die Wahrscheinlichkeit einer Deflation der Preise von Vermögenswerten erhöht – mit den hieraus resultierenden offensichtlichen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Daher schlage ich eine Senkung der Leitzinsen um 50 Basispunkte [0,5%] vor."[72]

Zusammengefasst: Aus ihren Gesprächsprotokollen geht hervor, dass die Fed die von den niedrigen Zinsen ausgehende Gefahr einer Immobilienblase gesehen hat und die Zinsen schon im März 2002 als nicht nachhaltig und gefährlich niedrig einschätzte. Sie hielt die Zinsen aber dennoch jahrelang auf diesem zu niedrigen Niveau, um trotz Terrorwarnungen und Kriegen ein positives Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Die lange Dauer der niedrigen Zinsen ist in der unerwartet langen Dauer des Irakkriegs begründet.

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.[73]

Natürlich wird auch diese Krise vorbeigehen. Aber was kommt danach?

George Soros sieht in der Krise das Ende der weltweiten Kreditexpansion, die auf dem US-Dollar als Reservewährung basierte. Die periodischen Krisen der Vergangenheit waren dabei nur Auswüchse eines sehr viel größeren „Boom-bust“[74] Prozesses; die gegenwärtige Finanzkrise war nur der Höhepunkt eines „Super-Booms“, der über 25 Jahre lang andauerte.[75]

In diesen Jahrzehnten des „Super-Booms“ entwickelten sich die USA zum verschuldetsten Land der Welt, wobei die zu Grunde liegende Kreditexpansion als Motor der Weltwirtschaft diente. Demnach war die Immobilienkrise nur der Tropfen, der das Fass schließlich zum Überlaufen brachte; die Verschuldung der USA war bereits in der Architektur des internationalen Finanzsystems unausweichlich festgeschrieben. Ein solches System der Verschuldung kann jedoch nicht nachhaltig sein und musste früher oder später unter der Last der immer weiter anwachsenden Überschuldung der USA und der damit verbundenen Störung des Gleichgewichts in der Welt zusammenbrechen. Das oben beschriebene Pendel kommt aus dem Takt und kommt möglicherweise zum Stillstand.

Dass dieses System aus dem Gleichgewicht geraten würde, war vorhersehbar. In Erfahrung der Krise von 1929 hat Keynes bereits in den 1940er Jahren darauf hingewiesen, dass das Gleichgewicht der Weltwirtschaft gestört würde, wenn ihr weiterhin Nationalwährungen zu Grunde liegen.[76] Nachdem 1944 auf der Währungskonferenz von Bretton Woods eine Nationalwährung als Weltleitwährung festgeschrieben wurde, hat 1959 Triffin die daraus resultierenden Probleme in allen Details beschrieben und eine schwere Krise des Systems vorhergesagt.

Keynes und Triffin haben Recht behalten und 2008 – nach dem Ausbruch der gegenwärtigen Finanzkrise – hat die UN eine „Expertenkommission zur Internationalen Geld- und Finanzreform“ damit,

die Ursachen der Krise zu untersuchen, deren Auswirkung auf die Länder der Welt zu ermitteln und angemessene Vorschläge zu erarbeiten, um eine Wiederholung der Krise zu verhindern und die globale Stabilität der Wirtschaft wiederherzustellen.[77]

Der Vorsitzender dieser UN-Kommission, Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz, merkte in einem Interview über eine zukünftige Neuordnung des Weltwährungssystems an:


Eine Reservewährung muss stabil sein, und das ist der Dollar nun mal seit geraumer Zeit nicht: Die Bilanz der US-Notenbank ist surreal, die Fed hat sich auf unerforschtes Terrain begeben, wir müssen uns ernsthaft Sorgen machen um die Inflation und ihre Folgen für den Dollar.[78]

In ihrem ersten Bericht vom 20.03.2009 empfiehlt die UN-Kommission unter Hinweis auf das Triffin-Dilemma, den US-Dollar als Weltleitwährung durch eine neu zu schaffende Reservewährung zu ersetzten;[79] die in diesem Bericht bereits angedeuteten Vorschläge zur konkreten Umsetzungen lassen an die Schriften von Keynes und Triffin erinnern.

Man könnte nun meinen, dass dies nur die Empfehlung einer zahnlosen akademischen Expertenrunde wäre und für die Durchsetzung der Empfehlung die notwendige politische Unterstützung fehlt. Weit gefehlt: die so genannten BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) sind nahezu zeitgleich mit der gleichen Forderung in die Öffentlichkeit getreten – am prominentesten mit der bereits oben erwähnten Rede von Zhou Xiaochuan, Chef der Chinesischen Zentralbank. Das politische Gewicht der BRIC-Länder ist erheblich: sie vereinen fast die Hälfte der Weltbevölkerung in sich und China ist der größte Kreditgeber der USA.

Es ist zu erwarten, dass die USA ihre Sonderrolle nicht kampflos aufgeben werden. Aber am Horizont ist zu erkennen, dass an der Neugestaltung des Weltwährungssystems bereits mit Hochdruck gearbeitet wird. Diese Neugestaltung wird nötig sein, wenn wir nicht wollen, dass sich die Krisen von 1929 und 2008 wiederholen.

Chronologischer Überblick

Angesichts der ineinander greifenden Vorgänge ist es hilfreich, sich anhand der folgenden Grafik einen Überblick zu verschaffen. In dieser Grafik sind die wesentlichen Faktoren und deren zeitliche Entwicklung von Februar 2000 bis Dezember 2008 dargestellt:

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  • Zinsen („Federal Funds Rate“; grüne Balken)
  • Hauspreisindex („Home Price Index“; rote Kurve)
  • Inflationsrate („Inflation (CPI)“; lila-gestrichelte Kurve)
  • Ereignisse (Fotos und Schlagzeilen)
  • Zitate von Fed und Alan Greenspan (unterhalb der Grafik)



März 2000 Die Grafik beginnt mit dem Platzen der Dot-Com-Blase.

Januar 2001 - August 2001 Nach einigen Monaten reagiert die Fed auf die geplatzte Blase und senkt den Zinssatz von 6,5% auf 3,5% im August 2001. Ab August 2001 ist der Zinssatz bereits gefährlich niedrig: er liegt nur knapp über der Inflationsrate. Ebenso sind die Häuserpreise bereits stark angestiegen, was im Allgemeinen auf den zuvor erfolgten Dot-Com-Boom zurückgeführt wird: mit den Gewinne aus Aktienverkäufen wurden Häuser gekauft. Aus diesen Gründen erscheint zu diesem Zeitpunkt ein weiteres Senken der ohnehin schon niedrigen Zinsen sehr unwahrscheinlich.

11. September 2001 - Dezember 2001 Nach den Ereignisse des 11. September erklärt die Fed, dass Zinssenkungen notwendig geworden sind, um den negativen Wirkungen der Terroranschläge entgegenzuwirken. Sie beginnt mit drastischen Zinssenkungen in großen Schritten von jeweils 0,5%, bis sie im Dezember 2001 nur noch 1,75% betragen. Inflationsrate und Zinsen sind nun praktisch identisch; Sparen ist nicht mehr interessant. Die Preise von Häusern steigen weiter. Die USA führen Krieg in Afghanistan.

Januar 2002 Bush spricht in seiner Rede zur Lage der Nation von der „Achse des Bösen“, ein Krieg gegen den Irak kündigt sich an.

März 2002 In ihren internen Besprechungen bezeichnet die Fed die Zinsen als weit unterhalb des Gleichgewichts; es sei „extrem gefährlich, sie ein weiteres Jahr“ so niedrig zu lassen. Unter Hinweis auf die „explosive Situation im Mittleren Osten“ beschließt sie dennoch, den Zinssatz unverändert zu lassen.

April 2002 - September 2002 Angesichts der weiter gestiegenen Hauspreise macht sich Greenspan Sorgen über eine Immobilienblase, aber auch über die Möglichkeit eines „atomaren, biologischen oder chemischen Terrorangriffs“. Wegen der Terrorgefahr und dem bevorstehenden Krieg im Irak lässt die Fed lässt die Zinsen auf dem niedrigen Niveau.

Oktober 2002 – November 2002 Bush erhält vom US-Kongress die Ermächtigung zum Krieg gegen den Irak, daraufhin senkt die Fed die Zinsen drastisch um 0,5% auf nur noch 1,25%. Die Zinsen liegen nun deutlich unter der Inflationsrate. Intern spricht die Fed davon, dass das Zinsniveau „schon seit Ende letzten Jahres weit unterhalb vom Gleichgewicht“ liegt. Gleichzeitig wundert sich Greenspan über den „außergewöhnlichen Häuserboom, der nicht ewig so weitergehen kann“.

November 2002 – Februar 2003 UN-Inspekteure suchen vergeblich nach Massenvernichtungswaffen im Irak, trotzdem scheint der Krieg unausweichlich. Collin Powell wirbt in seine Rede vor dem UN-Sicherheitsrat für einen Krieg gegen den Irak. Terror- und kriegsbedingt hält die Fed die Zinsen weiterhin niedrig, während Inflationsrate und Häuserpreise steigen.

März 2003 – April 2003 Die USA greifen den Irak am 20. März an und erklären bereits am 15. April die wesentlichen Kriegshandlungen für beendet. Die Regierung wurde gestürzt, aber Saddam ist noch nicht gefasst.

Juni 2003 Die Fed senkt die Zinsen um 0,25% auf nur noch 1%.; die Inflationsrate liegt bei über 2%; die Häuserpreise steigen weiter an.

Dezember 2003 Saddam wird gefasst. Die Zinsen bleiben unverändert bei 1%.

März 2004 Die Situation im Irak scheint zu eskalieren; vier US-amerikanische Söldner werden brennend durch die Straßen von Fallujah gezogen. Die Fed redet von „erneuten Sorgen vor Terror“ und belässt die Zinsen auf 1%. Häuserpreise und Inflation steigen weiter.

Juni 2004 Der Irak erhält seine Souveränität zurück. Die Fed hebt die Zinsen um 0,25% auf 1,25%. Die Zinsen sind damit immer noch weit unterhalb der Inflationsrate. Die Häuserpreise steigen weiter.

Juli 2004 - Dezember 2004 In kleinen Zinsschritten von 0,25% hebt die Fed die Zinsen bis auf 2,25% an. Die Zinsen liegen damit immer noch unter der weiter angestiegen Inflationsrate. Die Häuserpreise steigen weiter.

Januar 2005 Im Irak finden die ersten Wahlen für eine neue Regierung statt.

Februar 2005 - März 2005 In weiteren zaghaften Schritten hebt die Fed die Zinsen auf 2,75%.

Juni 2005 Die Fed stellt fest, dass die Häuserpreise stark gestiegen sind und zunehmend riskantere Immobilienkredite vergeben werden. Das Risiko einer platzenden Blase sei jedoch bereits auf andere Investoren übertragen worden. Alan Greenspan redet die Blase herunter: es sei nur ein wenig Schaum, aber keine landesweite Blase. Die Fed hebt die Zinsen um 0,25% auf 3,25% an. Die Häuserpreise steigen weiter.

August 2005 - November 2005 Die Fed hebt die Zinsen weiter in kleinen Schritten bis auf 4%. Erst ab jetzt ist die Zinsrate für einen längeren Zeitraum oberhalb der Inflationsrate. Die Häuserpreise steigen kaum mehr.

Dezember 2005 - Januar 2006 Die Fed hebt die Zinsen weiter bis auf 4,5%. Etwa zu diesem Zeitpunkt haben die Häuserpreise ihren Höhepunkt erreicht: sie kosten nun doppelt so viel, wie noch im September 2001.

März 2006 - Juni 2006 Die Fed hebt die Zinsen auf 5,25%. Die Häuserpreise fangen an zu fallen.

Juni 2006 - August 2007 Die Fed belässt die Zinsen unverändert bei 5,25%. Die Häuserpreise fallen immer weiter.

September 2007 In seiner Autobiografie schreibt Alan Greenspan: „Nach dem 11. September war die Wirtschaft geschwächt; es waren die Ausgaben der Konsumenten, die der Wirtschaft aus dieser Schwächephase heraushalfen. Und diese Konsumausgaben wiederum wurden von der Entwicklung am Immobilienmarkt getrieben.“

Oktober 2007 - März 2008 Die Fed senkt die Zinsen in großen Schritten bis auf 2,25%. Die Häuserpreise stürzen ein, die Blase platzt.

September 2008 – Oktober 2008 Die Investmentbank Lehmann ist pleite. Zentralbanken in aller Welt müssen eingreifen. Die Krise ergreift die gesamte Weltwirtschaft.

Fußnoten

  1. Greenspan, Alan 2007 Mein Leben für die Wirtschaft. Die Autobiografie. Frankfurt/New York: Campus Verlag, 262 f.
  2. Vgl. Robert J. Schiller, The Subprime solution: how today‘s global financial crisis happened, and what to do about it, Princeton, New Jersey: Princeton University Press 2008, 48.
  3. Übersetzung des Autors, „Cheap money engendered a housing bubble, an explosion of leveraged buyouts, and other excesses. When money is free, the rational lender will keep on lending until there is no one else to lend to.“ George Soros, The new paradigm for financial markets: the credit crisis of 2008 and what it means. New York: PublicAffairs 2008, XV.
  4. Übersetzung des Autors, „In housing markets, low mortgage interest rates and favorable weather have provided considerable support to homebuilding in recent months. […] The ongoing strength in the housing market has raised concerns about the possible emergence of a bubble in home prices“ Testimony of Chairman Alan Greenspan Before the Joint Economic Committee, U.S. Congress, 14.04.2002, http://www.federalreserve.gov/boarddocs/testimony/2002/20020417/default.htm, 27.04.2009
  5. Vgl. www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20020319meeting.pdf.
  6. z.B. „One issue that has not been raised today, and I think we have to keep it in mind because it can happen, is Terrorist Act Two [...] In my judgment, that is the biggest risk in the outlook [...] My recommendation (...) is that we stay at 1¾ percent on the funds rate.“ Alan Greenspan, Meeting of the Federal Open Market Committee, 7. Mai 2002, http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20020507meeting.pdf
  7. Übersetzung des Autors, „Consumer spending carried the economy through the post-9/11 malaise, and what carried consumer spending was housing. In many parts of the United States, residential real estate, energized by the fall in mortgage interest rates, began to see values surge. The market prices of existing homes rose 7.5 percent a year in 2000, 2001, and 2002, more than double the rate just a few years before. Not only did construction of new houses rise to record levels, but also historic numbers of existing homes changed hands. This boom provided a big lift in morale – even if your house was not for sale, you could look down the block and see other people's homes going for what seemed like astonishing prices, which meant your house was worth more, too.“ Greenspan, Alan 2007, The Age of Turbulence: adventures in a new world. New York: Penguin Group, 229
  8. Vgl. Joe Becker, Sheryl Gay Stolberg und Stephen Labaton, White House Philosophy Stoked A Bonfire in the Mortgage Market, in: The New York Times, 21.12.2008.
  9. Übersetzung des Autors, „To counter the effects of the economic slowdown and the increased expenditures on national security that followed the attacks, the new president, George W. Bush [...], instituted tax cuts and refunds, but the deficit grew, and with it, the national debt.“ http://www.publicdebt.treas.gov/history/today.htm, 31.03.2009
  10. Übersetzung des Autors, „I was aware that the loosening of mortgage credit terms for subprime borrowers increased financial risk, and that subsidized home ownership initiatives distort market outcomes. But I believed then, as now, that the benefits of broadened home ownership are worth the risk.“ Greenspan, Alan 2007 The Age of Turbulence: adventures in a new world. New York: Penguin Group, 233
  11. Übersetzung des Autors, „[…]At this meeting the Committee reviewed and discussed staff presentations on the topic of housing valuations and monetary policy. Prices of houses in the United States had risen sharply in recent years, especially in certain areas of the country, to very high levels relative to incomes or rents. In addition to local market factors, a wide range of influences appeared to be supporting home prices, including solid gains in disposable income, low mortgage rates, and financial innovation in the residential mortgage market. Prices might be somewhat above the levels consistent with these underlying factors, but measuring the extent of any overvaluation either nationally or in regional markets posed considerable conceptual and statistical difficulties. Meeting participants noted that the rise in house prices had been accompanied by a modest shift toward potentially riskier types of mortgages, including adjustable-rate and interest-only loans, which could pose challenges to both lenders and borrowers. Nonetheless, financial institutions generally remained in a comfortable capital position, such loans had performed well thus far, much of the associated risk had been transferred to other investors through securitization [...]“ FOMC Minutes, 29. und 30. Juni 2005, http://www.federalreserve.gov/fomc/minutes/20050630.htm, 31.03.2009
  12. Sub-prime losses, in: BBC News Timeline, http://news.bbc.co.uk/1/hi/business/7096845.stm, 31.03.2009
  13. Federal Reserve, Press Release, 11.03.2008, http://www.federalreserve.gov/newsevents/press/monetary/20080311a.htm; Bank of Canada, 11.03.2008, Bank of Canada Announces New Term PRA Transactions as part of Co-ordinated G10 Central Bank Actions, http://www.bank-banque-canada.ca/en/notices_fmd/2008/not110308.html; Bank of England 11.03.2008, News Release Central Bank Measures, http://www.bankofengland.co.uk/publications/news/2008/017.htm; The European Central Bank 11.03.2008, Specific measures to address liquidity pressures in funding markets, http://www.ecb.int/press/pr/date/2008/html/pr080311.en.html; Swiss National Bank, 11.03.2008, Central bank measures to address elevated pressures in short term funding markets, http://www.snb.ch/en/mmr/reference/pre_20080311/source/pre_20080311.en.pdf; Bank of Japan, 11.03.2008, On the Measures Announced by Five Central Banks on March 11, 2008, http://www.boj.or.jp/en/type/release/adhoc/un0803a.htm; Sveriges Riksbank, 11.03.2008, New international measures to address liquidity pressures in funding markets, http://www.riksbank.com/templates/Page.aspx?id=27564, alle 1.04.2009
  14. Vgl. Tabelle 4, 10 http://www.treas.gov/tic/shl2007r.pdf, 31.03.2009
  15. Deutsche Bundesbank, Geld und Geldpolitik, 2008, 59, 62. http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf, 31.03.2009
  16. Deutsche Bundesbank, Geld und Geldpolitik, 2008, 118, 171. http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf, 31.03.2009
  17. Vgl. Gunnar Heinsohn, Otto Steiger, Eigentum, Zins und Geld, Marburg: Metropolis-Verlag 2004, 286 ff.
  18. „Wertpapier, dessen zu Grunde liegenden Aktiven durch Wohn- oder Geschäftsliegenschaften hypothekarisch gesicherte Kredite sind“ UBS Bankfachwörterbuch. http://www.ubs.com/1/g/about/bterms/content_m.html#MortgageBackedSecurity, 15.04.2009
  19. „Anleihe, die durch ein diversifiziertes Schuldenportefeuille besichert wird. In der Regel wird eine Collateralized-Debt-Obligation in verschiedene Tranchen unterschiedlicher Bonität aufgeteilt.“ UBS Bankfachwörterbuch. http://www.ubs.com/1/g/about/bterms/content_c.html#CollateralizedDebtObligation, 15.04.2009
  20. Eine sehr empfehlenswerte Animation findet sich bei http://Crisisofcredit.com/ ; eine sehr ausführliche Erklärung findet sich im NZZ Folio 01/09 - Thema: Die Finanzkrise. http://www.nzzfolio.ch/www/61554707-6925-4a17-854b-b42244d0559d/showbooklet/63d7c281-bb7a-45ce-a4e6-e778de3432f3.aspx, 23.04.2009 in englischer Sprache als Radiosendung: Chicago Public Radio, This American Life, 05.09.2008, Episode 355: The Giant Pool of Money und 10.03.2008, Episode 365: Another Frightening Show About the Economy. http://www.thisamericanlife.org/Radio_Episode.aspx?sched=1242, http://www.thisamericanlife.org/Radio_Episode.aspx?sched=1263, beide 23.04.2009
  21. Daten von Markt-Daten.de, http://www.markt-daten.de/daten/gold.txt, 1.04.2009; Energy Information Administration, http://tonto.eia.doe.gov/dnav/pet/hist/wtotopecw.htm, 1.04.2009
  22. Übersetzung des Autors, „Yet another option would be for the Fed to use its existing authority to operate in the markets for agency debt (for example, mortgage-backed securities issued by Ginnie Mae, the Government National Mortgage Association).“ Rede von Governor Ben S. Bernanke vor dem National Economics Club, Washington, D.C. am 21. November 2002, http://www.federalreserve.gov/BOARDDOCS/SPEECHES/2002/20021121/default.htm, 31.03.2009.
  23. siehe Anhang 5 – FOMC: Geldmenge.
  24. Übersetzung des Autors, „MR. GRAMLICH.The only way the Treasury could issue us more securities or put more securities out in the market for us to buy is for them to run deficits or buy assets. And I don’t find either option attractive. We can have a paper on this, but what else is it going to say? So I guess, Al, I do hope that this is the last conversation we have about that! [Laughter] MR. BROADDUS. Well, they don’t just have to buy assets. They can always reduce taxes. This doesn’t constrain fiscal policy. MR. GRAMLICH. But that means a deficit. That’s the deficit option. Whatever you think about deficits, I believe that ought to be part of an overall fiscal strategy. And I don’t want to have the Treasury changing that strategy just so we can do something that’s a second-order improvement in monetary policy. I just don’t think it’s worth that. CHAIRMAN GREENSPAN. I guess we ought to buy the Washington Senators!
    MR. GRAMLICH. Or the Treasury could buy them and issue us a security. [Laughter]“ Meeting of the Federal Open Market Committee, 19. März 2002, http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20020319meeting.pdf, 31.03.2009
  25. Übersetzung des Autors, „CHAIRMAN GREENSPAN: [...] We could go ahead as a central bank and just print money and buy assets—we could buy baseball teams for all we need—and we can generate as much currency as we want.“ Meeting of the Federal Open Market Committee, 29.-30. Januar 2002, http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20020130meeting.pdf, 23, 31.03.2009
  26. Übersetzung des Autors, „MR. JORDAN. As a part of a pedagogical exercise, since this is an academic discussion, I did it the other way around. How would you as a central bank expand the monetary base if you didn’t have the opportunity to go out and buy government securities or something like that? My answer is that you should simply run a positive sum lottery. There’s no question that you could sell an awful lot of tickets [laughter] if you have a positive sum lottery offering to credit the winner’s account. You can blow up the monetary base as much as you want […].“ Meeting of the Federal Open Market Committee, 29.-30. Januar 2002, 41ff.
  27. http://en.wikipedia.org/wiki/United_States_housing_bubble, 1.04.2009
  28. „In 1999 the Fed became concerned (obsessed ??) with the Y2K problem, the likelihood that U.S. computer systems would collapse because so many software programs were not designed to recognize the transition to 2000. In the last several months of the year the Fed provided the monetary system with abundant liquidity to forestall any problems associated with the end-of-millennium transition and in the meantime the money had to go someplace so it fed stock market speculation.“ Charles P. Kindleberger, Robert Z. Aliber, Manias, panics and crashes: a history of financial crises Hoboken, New Jersey: John Wiley & Sons 2005, 104.
  29. „At its January meeting, the FOMC approved a further extension of the temporary suspension of paragraphs 3 to 6 of the Guidelines for the Conduct of System Open Market Operations in Federal Agency Issues. (Appendix B) The suspension, which has been renewed annually since 1999, continued the approval for the expanded pool of collateral eligible for the Desk’s repurchase agreements (RPs) through the FOMC’s first scheduled meeting in 2003. The primary effect was to continue the inclusion of passthrough mortgage securities of the Government National Mortgage Association (GNMA), Federal Home Loan Mortgage Corporation (Freddie Mac) and Federal National Mortgage Association (Fannie Mae) and stripped securities of government agencies.“ Federal Reserve Bank of New York, Markets Group, Domestic Open Market Operations during 2002, http://www.newyorkfed.org/markets/omo/omo2002.pdf, 31.03.2009 „The FOMC has established specific guidelines for operations in agency securities to ensure that Federal Reserve operations do not have undue market effects and do not serve to support individual issuers. At the January 2003 meeting, the FOMC voted to amend these guidelines excluding provisions 3-6 to permanently grant greater flexibility in conducting operations in agency securities. In August 1999, these provisions were temporarily suspended, as part of a broader effort to expand the types of agency securities that the Desk could accept on operations around the century date change. The suspension was renewed annually from 2000 to 2002.“ Federal Reserve Bank of New York, Markets Group Domestic Open Market Operations during 2003, http://www.newyorkfed.org/markets/omo/omo2003.pdf, 31.03.2009
  30. WDR, Hart aber fair, 17.09.2008, Verzocken Banken unseren Wohlstand? 54:30 - 55:17 http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?p=4&b=202 14.04.2009
  31. ehemaliger Chef der Deutschen Bank
  32. Universität Bremen (Fb Wirtschaftswissenschaft); Direktor des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW)
  33. Vgl. Kevin Phillips, Bad money: reckless finance, failed politics, and the global crisis of American capitalism, New York: Penguin Group 2008, 189.
  34. Ibrahim Warde, “Häuser auf Pump. Die Geschichte von Fannie Mae und Freddie Mac”, in: Le Monde diplomatique, Oktober 2008, 20. http://www.monde-diplomatique.de/pm/2008/10/10/a0048.text.name,asksDXn0F.n,3 31.03.2009
  35. Ferguson, Niall 2008 Der Aufstieg des Geldes. Die Währung der Geschichte. Berlin: Econ, 84 ff.
  36. gl. Economist.com, 18.12.2008, The beauty of bubbles. http://www.economist.com/finance/PrinterFriendly.cfm?story_id=12792903, 22.04.2009
  37. "While bubbles that burst are scarcely benign, the consequences need not be catastrophic for the economy." (Während das Platzen von Blasen selten gutartig ist, so müssen doch die Folgen für die [US]-Wirtschaft nicht notwendigerweise katastrophal sein. Übersetzung des Autors) Greenspan, Alan 2007, The Age of Turbulence: adventures in a new world. New York: Penguin Group, 201
  38. Der Begriff Dot-com-Blase bezeichnet die im März 2000 geplatzte Spekulationsblase, die insbesondere die so genannten „Dot-com“(=.com)-Unternehmen betraf. Der größte Markt für Dot-com-Unternehmen war die US-amerikanische NASDAQ. Von März 2000 bis Dezember 2000 wurden in dieser Blase dabei Börsenwerte von rund 5 Billionen US-Dollar (=„$5 trillion“) vernichtet.
  39. Übersetzung des Autors, „Throughout the late nineties the economy grew at a better than 4 percent annual rate. That translated to $400 billion or so of prosperity – equal in size to the entire economy of the former Soviet Union – being added to the U.S. economy each year.“ Greenspan, Alan, 2007, The Age of Turbulence: adventures in a new world. New York: Penguin Group, 182
  40. Übersetzung des Autors, „The bubble in U.S. stock prices in the second half of the 1990s was associated with a remarkable U.S. economic boom; the unemployment rate declined sharply, the inflation rate declined, and the rates of economic growth and productivity both accelerated. The U.S. government developed its largest-ever fiscal surplus in 2000 after having had its largest-ever fiscal deficit in 1990. The remarkable performance of the real economy contributed to the surge in U.S. stock prices that in turn led to the increase in investment spending and consumption spending and an increase in the rate of U.S. economic growth and the spurt in fiscal revenues.“ Kindleberger, Charles P. & Robert Z. Aliber, 2005, Manias, Panics, and Crashes. Hoboken, New Jersey: John Wiley & Sons, Seite 7 ff.
  41. Vgl. u.a.: „After more than a half-century observing numerous price bubbles evolve and deflate, I have reluctantly concluded that bubbles cannot be safely defused by monetary policy or other policy initiatives before the speculative fever breaks on its own.“ Greenspan, Alan, 12.12.2007, The Roots of the Mortgage Crisis, in: The Wall Street Journal
  42. etwa Deutsche-Bank-Chef Josef Ackerman am 15.03.2009 auf der Frühjahrstagung Schafft Ethik Wachstum? des Politischen Clubs in der Evangelischen Akademie Tutzing.
  43. Übersetzung des Autors, „I think we partially broke the back of an emerging speculation in equities [...] As we look back on this, I suspect that there was a significant overshoot in the markets. We pricked that bubble as well, I think.“ Alan Greenspan, Federal Open Market Committee Conference Call, 28.02.1994, 3 http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC19940228confcall.pdf, 31.03.2009
  44. Übersetzung des Autors, „There’s a little froth in this market,” but “we don’t perceive that there is a national bubble.” Alan Greenspan im Mai 2005, zitiert in: Paul Krugman, Bursting Bubble Blues, in: The New York Times, 30.10.2006, http://select.nytimes.com/2006/10/30/opinion/30krugman.html?_r=1, 31.03.2009
  45. Krishna Guha, Greenspan alert on US house prices, in: The Financial Times, 16.09.2007, http://www.ft.com/cms/s/0/31207860-647f-11dc-90ea-0000779fd2ac.html?nclick_check=1, 31.03.2009
  46. „That said, there can be little doubt that exceptionally low interest rates on ten-year Treasury notes, and hence on home mortgages, have been a major factor in the recent surge of homebuilding and home turnover, and especially in the steep climb in home prices. Although a "bubble" in home prices for the nation as a whole does not appear likely, there do appear to be, at a minimum, signs of froth in some local markets where home prices seem to have risen to unsustainable levels. [...] The apparent froth in housing markets may have spilled over into mortgage markets.“ Alan Greenspan, Testimony Before the Joint Economic Committee, U.S. Congress, 9. Juni 2005, http://www.federalreserve.gov/BOARDDOCS/TESTIMONY/2005/200506092/default.htm, 31.03.2009 Vgl. außerdem „The apparent froth in housing markets [...]“, Alan Greenspan, Testimony Before the Committee on Financial Services, U.S. House of Representatives, 20. Juli 2005, http://www.federalreserve.gov/BOARDDOCS/HH/2005/july/testimony.htm, 31.03.2009
  47. Übersetzung des Autors, „[...] much of the associated risk had been transferred to other investors through securitization [...]“ FOMC Minutes, 29. und 30. Juni 2005; http://www.federalreserve.gov/fomc/minutes/20050630.htm, 31.03.2009
  48. Übersetzung des Autors, „The use of national currencies as international reserves constitutes indeed a „built-in destabilizer“ in the world monetary system.“ Triffin, Robert, 1961, Gold and the dollar crisis. The future of converibility. New Haven und London: Yale University Press, 87
  49. Übersetzung des Autors, „Whether […] these problems have any chance to be negotiated in time to avoid a major crisis in the international monetary system, is an entirely different matter which history alone can, and will, answer.“ Triffin, Robert, 1961, Gold and the dollar crisis. The future of converibility. New Haven und London: Yale University Press, ix
  50. Übersetzung des Autors, „The Triffin Dilemma, i.e., the issuing countries of reserve currencies cannot maintain the value of the reserve currencies while providing liquidity to the world, still exists. […] Although crisis may not necessarily be an intended result of the issuing authorities, it is an inevitable outcome of the institutional flaws.“ Xiaochuan, Zhou 23.03.2009 Reform the International Monetary System, The People‘s Bank of China http://www.pbc.gov.cn/english/detail.asp?col=6500&id=178, 23.04.2009
  51. zumeist kurzfristige US-Schatzwechsel, so genannte Treasury-bills.
  52. oseph E. Stieglitz, Die Chancen der Globalisierung. Berlin: Siedler Verlag 2006, 316.
  53. Johnson, Simon, 2009, The Quiet Coup, in: The Atlantic Online http://www.theatlantic.com/doc/200905/imf-advice, 21.04.2009
  54. Johnson, Simon, 2009, The Quiet Coup in: The Atlantic Online http://www.theatlantic.com/doc/200905/imf-advice, 21.04.2009
  55. Übersetzung des Autors „Five years ago the Treasury market was twice the size of the MBS market. Now the two are converging. And if one takes a broader definition of the MBS market, its size is bigger still.“ Dino Kos, Meeting of the Federal Open Market Committee, 11. Dezember 2001, 3. http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20011211meeting.pdf, 31.03.2009
  56. Vgl. z.B. http://www.allianzinvestors.com/commentary/mkt_PIMCO_insight01012008.jsp, 31.03.2009
  57. Übersetzung des Autors, „After all, they do carry the full faith and credit of the U.S. government.“, Meeting of the Federal Open Market Committee, 19. März 2002, 12 http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20020319meeting.pdf, 1.04.2009
  58. Übersetzung des Autors, „[GNMAs] They’re essentially equivalent to Treasury securities.“ J. Alfred Broaddus, Meeting of the Federal Open Market Committee, 6. November 2002, 105. http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20021106meeting.pdf, 31.03.2009
  59. Josef Ackerman am 15.03.2009 auf der Frühjahrstagung Schafft Ethik Wachstum? des Politischen Clubs in der Evangelischen Akademie Tutzing.
  60. Vgl. Central Intelligence Agency, The 2008 World Factbook, 2009 https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/xx.html, 31.03.2009 https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/ee.html, 31.03.2009
  61. gemeint sind die Gesprächsprotokolle des „FOMC“ – des Federal Open Market Committee. Das FOMC setzt in seinen Besprechungen die jeweils geltenden Leitzinsen fest. Die Protokolle eines Jahres werden jeweils nach fünf Jahren veröffentlicht – http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/fomc_historical.htm
  62. Vgl. Meeting of the Federal Open Market Committee, 11. Dezember 2001, 3. http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20011211meeting.pdf, 1.04.2009
  63. Übersetzung des Autors, „MR. BROADDUS. [...] We have been easing aggressively. I have favored this and I’m comfortable with it. And I would be comfortable with more easing this morning precisely because of our enhanced credibility. But once a recovery gets under way--and sooner or later that’s going to happen--I think we’re going to need to reverse course and move in the other direction just as aggressively as we’ve eased.“ Meeting of the Federal Open Market Committee, 2. Oktober 2001, 57. http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20011002meeting.pdf, 1.04.2009
  64. MR. PARRY: […] to wait another year seems to me to be extremely dangerous […] Meeting of the Federal Open Market Committee, 19. März 2002, 81. http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20020319meeting.pdf, 1.04.2009
  65. MR. REINHART. [...] we can view market participants as expecting the nominal funds rate to return to a more sustainable level [...] Meeting of the Federal Open Market Committee, 19. März 2002, 78. http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20020319meeting.pdf, 1.04.2009
  66. siehe Anhang 1 – FOMC: gefährlich niedriges Zinsniveau.
  67. „ […] much of the associated risk had been transferred to other investors through securitization […]“ Minutes of the Federal Open Market Committee, 29. und 30. Juni 2005, http://www.federalreserve.gov/fomc/minutes/20050630.htm, 1.04.2009
  68. Stiglitz, Joseph E. & Linda Bilmes, 2008, Die wahren Kosten des Krieges. Wirtschaftliche und politische Folgen des Irak-Konflikts. München: Pantheon Verlag, 23
  69. Stiglitz, Joseph E. & Linda Bilmes, 2008, Die wahren Kosten des Krieges. Wirtschaftliche und politische Folgen des Irak-Konflikts. München: Pantheon Verlag, 249
  70. Stiglitz, Joseph E. & Linda Bilmes, 2008, Die wahren Kosten des Krieges. Wirtschaftliche und politische Folgen des Irak-Konflikts. München: Pantheon Verlag, 49
  71. Vgl. u.a. Greenspan Says Fed Didn't Cause Housing Bubble, in: CNBC.com & Reuters, 8. April 2008 „[...] Greenspan said the cuts were aimed at increasing liquidity in the financial system and heading off deflation [...]“
  72. Übersetzung des Autors, „CHAIRMAN GREENSPAN. It’s clear that the events of last week, at a minimum, have created a heightened degree of fear and uncertainty that is placing considerable downward pressure on asset prices, increasing the probability of an asset price deflation, with its obvious impact on the economy. Therefore, I propose a 50 basis point cut in the federal funds rate target.“ Federal Open Market Committee Conference Call, 17. September 2001, http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC20010917ConfCall.pdf, 1.04.2009
  73. Zitat zugeschrieben u.a. Karl Valentin, Mark Twain, Winston Churchill.
  74. „Boom-bust process“ bezeichnet den Vorgang des Aufblasens einer Blase („Boom“) und dessen Platzen („Bust“).
  75. „The current crisis marks the end of an era of credit expansion based on the dollar as the international reserve currency. The periodic crises were part of a larger boom-bust process; the current crisis is the culmination of a super-boom that has lasted for more than twenty-five years.“ George Soros, The new paradigm for financial markets: the credit crisis of 2008 and what it means. New York: PublicAffairs 2008, vii.
  76. Vgl. John Maynard Keynes, Shaping the Post-war World: The Clearing Union, in: ders., The Collected Writings, Volume XXV: Activities, 1940-44 -, hg. von Donald Moggridge. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 2008
  77. Übersetzung des Autors, http://www.un.org/ga/president/63/commission/financial_commission.shtml, 29.04.2009
  78. Foroohaar , Rana 28.03.2009, We’re In A Whole New Territory. Nobel laureate Joseph E. Stiglitz on the coming global economic order. Newsweek, http://www.newsweek.com/id/191496 vgl. auch Pfaff, Peggy, 30.3.2009, China und das Dollar-Dilemma, Handelsblatt.com, http://www.handelsblatt.com/journal/presseschau/china-und-das-dollar-dilemma;2219530, 1.04.2009
  79. Recommendations by the Commission of Experts of the President of the General Assembly on reforms of the international monetary and financial system, 20.03.2009, 11 http://www.un.org/ga/president/63/letters/recommendationExperts200309.pdf, 29.04.2009

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Anlagen: Auszüge aus den Protokollen der Fed

FOMC-Protokolle

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