User:GeorgZoche

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München, 5. März 2011

Mein Benutzerkonto bei Wikipedia wurde gesperrt, nachdem ich gegen die dort zu findenden Urheberrechtsverletzungen vorgegangen bin. Hier nun meine Benutzerseite von Wikipedia vor ihrer Sperrung:

(bei Google kann sie auch noch im Cache gefunden werden [1] )


Contents

Über mich

Ich bin 1968 in München geboren und habe Maschinenbau und Philosophie studiert. Heute arbeite ich als Entwicklungsingenieur an leichten Diesel-Flugmotoren.

Seit 1996 setzt ich mit dem Thema “Global Governance” auseinander. Hieraus entstand das politisches Projekt einer Graswurzelbewegung zur Schaffung eines Systems der demokratischen Repräsentation innerhalb der Globalisierung: die Vereinten Transnationalen Republiken. Die “Erste Transnationale Republik” hat derzeit rund fünftausend Bürger aus über hundert Ländern.

Seit dem Jahr 2000 beschäftige ich mich mit Währungen: welche Rolle spielen sie in der Globalisierung? Auf welche Weise nutzen Nationalstaaten ihre Währungen als Werkzeuge politischer Macht? Hierfür habe ich mich zunächst mit Geldtheorie vertraut gemacht und dann auf das Thema der “Internationalen Liquidität” spezialisiert, das zu einem Problem geworden war, nachdem 1931 der Goldstandard aufgegeben wurde: welche Währung kann im internationalen Handel dienen, wenn alle Währungen jeweils nur in ihrer Heimatnation als gesetzliches Zahlungsmittel gelten?

2006 durfte ich meine Forschungsarbeiten zu Währungen und Globalisierung auf dem UNESCO “International Forum for Social Science” in Buenos Aires präsentieren und erneut in 2007 auf dem “UNESCO Monterrey Forum”, wofür ich als Gewinner des “Global Governance Essays Contest” ausgezeichnet wurde. Im November 2009 ist mein Buch hierzu erschienen – WELT MACHT GELD


Löschung meines Artikels "Bancor"

Am 21. September 2010 habe ich auf Wikipedia einen Artikel über die 1940 von John Maynard Keynes vorgeschlagene supranationale Währung "Bancor" erstellt, da es hierzu noch keinen Eintrag gab. Bereits einen Tag später wurde von TELEPOLIS aus diesem Artikel zitiert.

Der in meinem Artikel beschriebene Vorschlag von Keynes ist seit Jahrzehnten fast nur unter Finanzhistorikern oder in Zentralbankkreisen bekannt, gewinnt aber durch die in 2008 ausgebrochenen Finanzkrise zunehmend an Bedeutung: u.a. der Internationale Währungsfonds, eine UN-Expertenkommission, die BRIC-Länder und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz erinnern an den Vorschlag von Keynes als eine mögliche Antwort auf die Frage, was nach dem Ende des US-Dollars als Weltleitwährung folgen könnte.

Da es sich bei meinem Artikel um die gekürzte Kopie des entsprechenden Kapitels aus meinem Buch handelte, entsprach er zunächst nicht der typischen Form eines Wikipedia-Eintrags – worauf mich Mitarbeiter von Wikipedia hinwiesen. In den folgenden Tagen wurde der Artikel von Wikipedia-Mitarbeitern entsprechend verbessert und umgearbeitet. Diese Verbesserungen habe ich begrüßt und mich darüber gefreut, dass sich der Artikel durch dieses Engagement nun weiter entwickeln würde.

Ich war allerdings überrascht, als am 24. September sämtliche zu meinem Buch führenden Fussnoten entfernt wurden. Als Begründung wurde angeführt, dass mein Buch keine geeignete Quelle für den Artikel sei. Diese Aussage verwunderte, da der Artikel weiterhin wortwörtlich aus etwa 30 Seiten meines Buchs zitierte und der Wikipedia-Mitarbeiter ausdrücklich bei seiner Löschung der Quellenangabe darauf hingewiesen hatte, den Inhalt des Artikels nicht näher zu kennen:

"ich habe die […] nicht geeigneten Quellen entfernt […]. Inhaltlich bin ich aus Zeitgründen nicht drübergegangen."

Da mein Buch jedoch unverändert zitiert wurde, habe ich den Wikipedia-Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, wenn wortwörtliche Zitate verwendet werden, ohne in einer Fussnote auf die entsprechende Quelle aufmerksam zu machen.

Die darauf folgende Diskussion eskalierte und wurde in zunehmender Weise unsachlich geführt; sie endete schließlich in der nahezu vollständigen Löschung des Artikels am 27. September.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die wissenschaftlichen Aussagen in meinem Artikel allesamt mit Primärquellen belegt sind – den Originalzitaten, in denen Keynes seinen Vorschlag erläutert. Mein Buch diente lediglich als Quelle für deren deutsche Übersetzung, sowie die von mir vorgenommenen Zusammenfassungen dieser Originalzitate.

Es ist bedauerlich, dass offensichtlich auf Grund persönlicher Animositäten Inhalte aus Wikipedia gelöscht werden. Sehr erstaunt hat mich, in welchem Tonfall die Diskussion geführt wurde. Ein Wikipedia-Mitarbeiter erklärte gar, dass er die von ihm nicht willkommenen Autoren regelmäßig aus Wikipedia mobben würde:

"Ich erkenne eigentlich sehr frueh, wenn jemand nicht geeignet ist hier […]. Dann bin ich auch so unhoeflich wie es nur geht, da mit der-/diejenige hier wieder abhaut. Das trauen sich die Anderen nicht, also muss ich das halt machen. Und nun geh doch bitte..... " [2]
</blockquote>


Diskussion zum Artikel Bancor

Hier kann man die Diskussion zum Artikel nachlesen:

Wikipedia:Vermittlungsausschuss

Auch der Vermittlungsausschuss konnte nicht weiterhelfen:

Mobbing bei Wikipedia

Der Wikipedia-Mitarbeiter "meisterkoch" teilte mit, dass er regelmäßig Personen aus Wikipedia mobben würde:

Ich erkenne eigentlich sehr frueh, wenn jemand nicht geeignet ist hier […]. Dann bin ich auch so unhoeflich wie es nur geht, da mit der-/diejenige hier wieder abhaut. " [3]

Tatsächlich hat meisterkoch bereits etliche potentielle Mitarbeiter aus Wikipedia gemobbt: Ein Blick in das Archiv der Vandalismusmeldungen und auf seine Bewertungen durch andere zeigt seine Unbeirrlichlichkeit und Vehemenz. Wikipedia scheint jedoch gegen dieses Mobbing nicht einschreiten zu können:

  • Hyperdieter: "Unabhängig davon halte ich den Tonfall und Formulierungen von Meisterkoch allerdings für sanktionswürdig."
  • Meisterkoch: "@Hyperdieter: Mein Tonfall ist sanktionswuerdig? Ich lach mich schlapp..."

In meinem Fall sah ich mich diesen Beschimpfungen von Meisterkoch ausgesetzt:



Der nun folgende Artikel zitiert aus den Seiten 60-93 aus meinem Buch WELT MACHT GELD und stellt die Version kurz vor dessen Löschung dar (leider wurde auch die Versionsgeschichte gelöscht, daher kann ich die Co-Autoren nur unvollständig nennen. Er enthält meines Wissens Bearbeitungen der Wikipedia-Mitarbeiter Martina Nolte, Geisslr, Meisterkoch und Borsanova). Ich stelle ihn hier nur vorübergehend rein, da er in der Zwischenzeit gelöscht wurde und eine Diskussion über die Gründe der Löschung kaum möglich ist, wenn man den Artikel im Zustand direkt vor seiner Löschung nicht einsehen kann.

--GeorgZoche 13:17, 3. Okt. 2010 (CEST)

Bancor

John Maynard Keynes

Bancor ist der Name der von John Maynard Keynes in den Jahren 1940-42 entworfenen und nach dem Zweiten Weltkrieg neu zu schaffenden supranationalen Währung, die den Nationen im internationalen Handel als Abrechnungseinheit eines ebenfalls neu zu schaffenden Güterclearings, der International Clearing Union, dienen sollte. Der Bancor sollte durch Gütertausch gedeckt und sein Wert in Gold ausgedrückt sein.

Dieser Vorschlag aus Großbritannien zur Einführung einer supranationalen Währung konnte sich jedoch nicht gegen den mittels der Konferenz von Bretton Woods (1944) bestimmten US-Dollar als Weltleitwährung durchsetzen.

Grundgedanken

Der von Keynes entwickelte britische Plan einer International Clearing Union stand auf zwei Säulen:

(1) Im Handel zwischen den Nationen sollten Güter nicht mehr gegen Geld, sondern im Austausch gegen Güter gehandelt werden.

(2) Die getauschten Güter sollten in der neu zu schaffenden internationalen Währung Bancor abgerechnet werden.

zu (1): Durch den multilateralen Gütertausch sollte gewährleistet werden, dass die Länder mit ihren Güterlieferungen und -bezügen jeweils zu der Gesamtheit des Systems im Gleichgewicht stehen. Da Geld nur noch als Verrechnungseinheit für die getauschten Güter dienen würde, käme ihm nur noch eine untergeordnete Rolle zu. Entsprechend könnte auf Gold als Zahlungsmittel weitgehend verzichtet werden.

zu (2): Durch die Einführung der internationalen Währung Bancor würde das Funktionsprinzip nationaler Banken auf die internationale Ebene übertragen werden. Die Nationen der Welt könnten dann aus den ungenutzten Guthaben der Überschussnationen Kredite erhalten.

Durch das Zusammenwirken von multilateralem Clearing und internationalem Kreditwesen sollte ein von Zinsen weitgehend entlastetes und nachhaltiges Wachstum der Weltwirtschaft ermöglicht werden, das seinen Ursprung im Gleichgewicht der Nationen und nicht in deren Ungleichgewicht hätte.

Um das "Horten" von Guthaben zu verhindern und um Gläubiger- wie Schuldnernationen gleichermaßen für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in die Pflicht zu nehmen, würden sowohl Guthaben wie Schulden mit Zinsen belegt (= negativer Zins auf Guthaben).

In der Einführung einer internationalen Währung sah Keynes den Grundstein für eine supranationale Regierung, die sich globaler Belange annehmen könnte (Erhalt des Weltfriedens).

International Clearing Union

Gütertausch mit internationaler Währung als Recheneinheit

Der Kerngedanke von Keynes bestand darin, dass der Handel zwischen den Nationen auf einem Clearingsystem beruhen sollte, bei dem die weltweit gehandelten Güter nicht in der Währung einer privilegierten Nation, sondern in der neu einzuführenden internationalen Währung Bancor miteinander verrechnet würden. Durch den internationalen Bancor würde keine Nation eine bevorzugte Sonderrolle einnehmen und das System somit allen gleiche Vorteile bieten.

Für die Lieferung von Gütern würden den Nationen jeweils Bancor gutgeschrieben, um diese wiederum beim Bezug von Gütern anderer Nationen auszugeben. In diesem System sollten also keine direkten Tauschgeschäfte "Güter gegen Güter" abgewickelt werden, sondern "Güter gegen Bancor gegen Güter". Der Vorteil in einem solchen Barter-Clearingsystem bestünde darin, dass jeder Handel früher oder später durch einen Handel in entgegengesetzter Richtung ausgeglichen werden müsste.

Dieser Ausgleich im internationalen Handel könnte dann auch das Problem des Ungleichgewichts zwischen den Nationen lösen, das erst durch die Verwendung von Geld entstanden war – denn dieses Ungleichgewicht kann sich nur bilden, wenn Güter nicht gegen Güter, sondern gegen Geld getauscht werden. Solange aber Güter gegen Güter getauscht werden, ist jedes Tauschgeschäft in sich selbst ausgeglichen. Das Ungleichgewicht wird erst ermöglicht, wenn Güter gegen bloße Versprechen (Geld, Wechsel oder dergleichen) getauscht werden.

Wachstum durch Gleichgewicht im globalen System

Die von Keynes vorgeschlagene Struktur beruhte auf einem einfachen Grundgedanken: die ganze Welt als ein in sich abgeschlossenes System zu betrachten und nicht wie bisher als eine Anhäufung unzähliger nationaler Parallelsysteme. In einem solchen globalen System ließe sich das Funktionsprinzip nationaler Banken dann auf die globale Ebene übertragen, und die Nationen der Welt würden bei der International Clearing Union ihre jeweiligen Konten führen. Das System als Ganzes wäre dann per Definition stets ausgeglichen.

Die Nationen der Welt miteinander ins Gleichgewicht zu bringen und dieses Gleichgewicht dauerhaft aufrechtzuerhalten, war das wichtigste Ziel von Keynes. Denn die Weltwirtschaft könnte am besten in einem Zustand des Gleichgewichts zwischen den Nationen wachsen – weil das Wachstum der einen Nationen dann auch das der jeweils anderen fördern würde. Eine Wirtschaftsordnung hingegen, in der das Wachstum der einen Nationen zu Lasten des Wachstums der anderen geht, würde Abschottungstendenzen fördern und letztlich allen Nationen schaden; eine Erfahrung, die man gerade zwischen den beiden Weltkriegen – also in den Jahren nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 – gemacht hatte.

Internationale Kredite statt nationales Horten

Durch die Übertragung des Bankenprinzips auf die globale Ebene könnten die Nationen der Welt von der International Clearing Union Kredite erhalten. Daher müssten die Nationen dann selber keine eigenen Reserven mehr aufbauen, das wachstumsfeindliche Horten der Nationen könnte durch wachstumsförderliche Kredite ersetzt und "Stein in Brot verwandelt" werden.[1]

Starke statt schwache Schultern

Keynes führte das Versagen des internationalen Goldstandards auf eine einzige Ursache zurück: war das System erst einmal aus dem Gleichgewicht geraten, konnte es nicht mehr zurück in sein Gleichgewicht gebracht werden, weil diese Aufgabe stets ausschließlich den Schuldnernationen auferlegt wurde. Konnten diese ihre Schulden dann nicht bezahlen, vergrößerte sich das Ungleichgewicht, denn arme Nationen wurden immer ärmer und schließlich zahlungsunfähig. Keynes sah als Störer des Gleichgewichts daher nicht einseitig nur die Schuldner, sondern in gleichem Maße auch die Gläubiger – denn Schuldner und Gläubiger bedingen sich gegenseitig. Die Pflege des Gleichgewichts allein den schwächeren Nationen zu übertragen, erachtete Keynes daher als groben Systemfehler. Vielmehr müsste in einem funktionierenden System diese Aufgabe in erster Linie "von den stärkeren Schultern" der Gläubigernationen getragen werden.[2]

Ausgleich und Umlaufsicherung durch negativen Zins

Um die Pflege des Gleichgewichts sowohl den schwachen Schultern der Schuldnernationen als auch den starken Schultern der Gläubigernationen aufzulasten, ersann Keynes einen verblüffend simplen, aber überaus wirksamen Mechanismus: Die Nationen müssten sowohl auf übermäßige Guthaben, wie auch auf allzu hohe Schulden Zinsen an die International Clearing Union zahlen. Nur jene Nationen, die im Gleichgewicht mit dem System stünden, könnten diese Zinszahlungen vermeiden. Zudem sah Keynes einen progressiven Zinssatz vor: Je weiter sich eine Nation von ihrem jeweiligen Gleichgewicht entfernen würde – sei es durch übermäßige Schulden oder durch ebensolche Guthaben – desto höher wäre der anfallende Zinssatz. Auf diese Weise würden reiche Nationen einen starken Anreiz erhalten, vermehrt Güter von ärmeren Nationen zu importieren und das wachstumshinderliche Ansparen ("Horten") von Ressourcen zu vermeiden.[3]</blockquote>

Dieser Mechanismus hätte den besonderen Reiz, dass er erst dann eingreift, wenn sich ein Ungleichgewicht bildet, dann aber Schuldner- wie Gläubigernationen gleichermaßen beträfe. [4]

Vorteile und Probleme

Wachstum durch Nachhaltigkeit

Der Plan von Keynes entsprach also einem Nullzins- und Nullsummenspiel, bei dem die Nationen zinsfreie Darlehen erhalten hätten, solange die Schuldenhöhe noch in einem angemessenen Verhältnis zur Größe der jeweiligen nationalen Wirtschaft stand. Da auf Guthaben ebenfalls keine positiven Zinsausschüttungen vorgesehen waren (sondern Zinszahlungen), hätten sich die Bancors auch nicht durch Zinsen vermehrt. Heutzutage ist dies besonders vor dem Hintergrund der Debatte über Nachhaltigkeit und die Grenzen des Wachstums interessant: In unserem heutigen Finanzsystem muss die Wirtschaft wachsen, um die Zinsen zu erwirtschaften; bei Keynes kann die Wirtschaft wachsen, weil das System als Ganzes im Gleichgewicht gehalten wird.

Geldschöpfung durch Gütertausch

Eine weitere Besonderheit des Bancor ist sein Schöpfungsvorgang. Sie werden nicht "aus dem Nichts geschöpft", sondern kommen erst durch den Gütertausch selbst in die Welt: eine exportierende Nation erhält Bancor gutgeschrieben, sobald sie Güter an eine importierende Nation liefert, während die importierende Nation dem System nun dieselbe Menge Bancor (oder Güter) schuldet. Auf diese Weise entspricht die Menge an Bancor stets der Menge an gelieferten Gütern (zuzüglich der Kredite, die das System als Ganzes noch vergeben kann). Die Deckung des Bancor durch Güter mag ein wenig an die durch Arbeitswechsel gedeckte Reichsmark Nazi-Deutschlands erinnern; sie entspricht sehr genau den von modernen Tauschringen verwendeten Systemen wechselseitigen Kredits (LETS, Local Exchange Trading Systems).

Die Goldfrage

Da letztlich Güter gegen Güter getauscht würden, hätte man im alltäglichen Handel auf Gold (oder Geld) weitgehend verzichten können. Seine Bedeutung als Wertspeicher und zweifelsfreies Zahlungsmittel hätte Gold aber dennoch beibehalten. [5]

Der Bancor sollte in Gewicht Gold definiert sein, wobei sein Verhältnis zu Gold von der Clearing Union angepasst werden könnte. Die Nationalwährungen stünden wiederum in einem festen (genauer: nur nach Vereinbarung und in Grenzen veränderlichen) Wechselkurs zum Bancor. [6]

Die Nationen könnten gegen Einzahlung von Gold bei der Clearing Union Bancor erhalten – nicht jedoch im umgekehrten Sinne gegen Zahlung von Bancor Gold erhalten. Diese einseitige Konvertibilität wäre zwingend notwendig, weil andernfalls die Nationen dem System Ressourcen entnehmen könnten, anstatt die eingenommenen Bancor für den Handel mit anderen Nationen zu verwenden – schließlich sollte das System sicherstellen, dass jeder Gütertausch früher oder später durch einen entgegengesetzten Gütertausch ausgeglichen würde.[7]

Die Rolle der USA

Ein Problem stellten die USA dar, die durch ihre unausgeglichene Handelsposition das Gleichgewicht in der Welt empfindlich störten. Falls diese weiterhin darauf bestünden, Guthaben anzuhäufen, indem sie mehr exportierten als importierten, gäbe es keine andere Wahl, als den Handel mit den USA mit Beschränkungen zu belegen:

Jedoch würde der Plan zweifellos eine gegen die USA gerichtete Diskriminierung beinhalten, falls sie weiterhin darauf beharrten, ihre unausgeglichene Gläubigerposition aufrechtzuerhalten. Nochmals – ob wir es möchten oder nicht: es wird uns aufgezwungen sein. Denn wir werden nach dem Krieg gar keine Möglichkeiten haben, von den USA Waren zu kaufen, außer in dem gleichen Umfang, wie die USA Waren von uns kaufen. [8]

Utopie einer Weltregierung

Keynes sah in der Clearing Union die Möglichkeit, den Grundstein einer "supranationalen" Regierung zu legen, die sich um die nach dem Weltkrieg anstehenden globalen Belange kümmern sollte – etwa den Wiederaufbau, die Entwicklungshilfe oder den Erhalt des Weltfriedens. Zur Verfolgung dieser Ziele könnte die Clearing Union aus den Rücklagen der Weltwirtschaft entsprechende Programme und Organisationen finanzieren, ohne dass durch die anfallenden Kosten einzelne Nationen belastet würden: Die hierzu notwendigen Kredite würden ausschließlich aus den ungenutzten Guthaben der Überschussnationen und den Zinseinnahmen der Clearing Union gespeist werden.

Die Clearing Union könnte supranationale Ziele jedoch nicht nur im positiven Sinne finanzieren. Sie könnte ihre zentrale Machtstellung auch dazu nutzen, Nationen zu sanktionieren, die etwa den Weltfrieden gefährdeten oder sich in einer anderen Weise den übergeordneten und legitimen Zielsetzungen der Weltgemeinschaft widersetzten. Ein besonders wirkungsvolles Mittel würde dabei sicherlich die Sperrung des Kontos darstellen; denn einer Nation mit gesperrtem Clearingkonto würde die Finanzierung eines Krieges sicherlich erhebliche Schwierigkeiten verursachen.[9]

Ein wesentlicher Vorteil in der Finanzierung weltpolitischer Interessen aus den Rücklagen der gesamten Weltwirtschaft bestünde darin, dass diese sozusagen 'anonym' von der Weltgemeinschaft erbracht würde und nicht erst von einzelnen Nationen erbettelt werden müsste – deren Beiträge dann ja die jeweiligen nationalen Wirtschaften belasten würden.[10]

Die Machtfrage

Die Machtkonzentration auf die Clearing Union stellt sicherlich einen gleichermaßen herausragenden wie bedenklichen Aspekt dar. Diese Macht würde es der Clearing Union ermöglichen, globale Ziele nicht nur zu finanzieren, sondern sie auch durchzusetzen. Im gleichen Maße würde es Nationen entsprechend schwerfallen, sich mit ihren jeweiligen Nationalinteressen gegen die Interessen der Clearing Union zu behaupten – wie etwa das Führen und Finanzieren von Kriegen. Über den hierzu notwendigen teilweisen Verzicht auf nationale Souveränität führte Keynes aus:

Es wurde darauf hingewiesen, dass ein derartig ehrgeiziger Vorschlag der Kritik ausgesetzt ist, von den Mitgliedern der Währungsunion einen größeren Verzicht ihrer souveränen Rechte zu fordern, als diese einzuräumen bereit sind.

Dabei ist gar kein größerer Verzicht nötig, als er bei jedem Wirtschaftsabkommen gefordert wird. Die Verpflichtungen werden freiwillig eingegangen und können unter bestimmten Bedingungen durch einfache Mitteilung beendet werden.

In der Welt nach dem Krieg muss eine größere Bereitschaft vorausgesetzt werden, supranationale Vereinbarungen einzugehen. Wenn man die vorgeschlagenen Vereinbarungen als eine Maßnahme der finanziellen Abrüstung umschreiben würde, so wäre diese sehr gemäßigt im Vergleich zu der militärischen Abrüstung, die man von der Welt wohl verlangen wird. Es gibt hier nichts, wovor wir uns sträuben sollten, es in Kauf zu nehmen oder es von anderen zu fordern. Es ist ein Vorteil und kein Nachteil des Programms, dass es seine Mitgliedsstaaten bittet, auf das Recht der Verbreitung von Disziplinlosigkeit, Chaos und schlechter Nachbarschaft zu verzichten, das sie bisher zum Nachteil aller frei ausüben konnten. Der Plan ist ein erster Schritt, um die zukünftige Wirtschaftsordnung zwischen den Nationen der Welt zu gestalten und den 'Frieden zu gewinnen'. Er könnte dazu beitragen, die Bedingungen und die Atmosphäre zu schaffen, in der alles andere dann leichter fallen würde.[11]

Bei der kritischen Betrachtung dieser Machtfrage sollte man jedoch nicht vergessen, dass sich jeder Entwurf einer Weltfinanzordnung stets auch der Frage nach der in der Weltwährung steckenden Macht stellen muss. Nazi-Deutschland wollte die "Neuordnung Europas" mithilfe der Reichsmark für seine Zwecke missbrauchen. Ganz anders Keynes: Er wollte mithilfe des Bancors diese Macht im Sinne einer Weltgemeinschaft für die Durchsetzung "supranationaler" Ziele nutzbar machen. Die Frage nach der Legitimierung dieser Macht bleibt jedoch auch bei Keynes – trotz moralisch vermeintlich "guter" Ziele – nur unbefriedigend beantwortet. Denn wer entscheidet über "gut" und "schlecht"? Keynes hatte vorgesehen, dass Großbritannien und die USA als die beiden Gründungsmitglieder der Clearing Union das letzte Wort haben sollten – während die übrigen Nationen sich mit ihrem Beitritt den gemeinsamen Regeln unterordnen würden:

die Mitgliedschaft muss daher als Privileg gelten, das all jenen zusteht, die gewissen Grundprinzipien und den üblichen Standards im internationalen Umgang entsprechen. Ich begreife die Verwaltung und das tatsächliche Stimmrecht als dauerhaft anglo-amerikanisch.[12]

Dass sich die Frage der Macht letztlich nur unbefriedigend beantworten ließ, war Keynes natürlich bewusst. Hierzu hatte er am 8. Mai 1942 in einem Brief an den Ökonomen Sir Roy Harrod angemerkt:

Überdies: Selbst für den Fall, dass die Amerikaner unsere Absichten teilen würden, so ist es doch fraglich, ob es klug wäre, dem Rest der Welt etwas vorzustellen, das den Eindruck eines anglo-amerikanischen Blocks erregen würde. Wenn es irgendjemanden gibt, der unbeliebter ist als wir selbst, dann sind das die USA; und wenn es irgendjemanden gibt, der unbeliebter ist als die USA, dann ist es Russland; und wenn es irgendjemanden gibt, der unbeliebter ist als Russland, dann sind das wir selbst.

Daher glaube ich, dass es momentan noch verfrüht ist, sich auf einen der beiden Standpunkte festzulegen, wonach der Aufbau entweder in erster Linie anglo-amerikanisch sein oder von Anfang an einen internationaleren Charakter haben sollte.

Ich pflichte Ihnen jedoch freimütig bei, dass der tatsächliche Aufbau einzelner Pläne mit so wenigen Köchen wie möglich abzustimmen ist, und andere erst dann zum Abendessen geladen werden sollten, nachdem sie den Duft der Fleischbrühe gerochen haben.[13]

Ein Lösungsansatz in der Diskussion

Keynes erachtete seinen Plan der Clearing Union jedoch nicht als einzig mögliche Lösung, sondern lediglich als einen Entwurf, der die wesentlichen Probleme klar benennt und an dessen Lösungsansatz sich andere Vorschläge messen lassen müssten:

Darüber hinaus stellt es ein gutes Schema dar, um den Kern des Problems analysieren und die entscheidenden Aspekte jeder zufriedenstellenden Lösung in vollem Umfang zur Anschauung bringen zu können. Wenn nicht so – so könnten wir fragen –, wie dann? Jetzt, da Sie die grundlegenden Aspekte des Problems vollständig erkannt haben, welche alternative Lösung bieten Sie uns an?[14]

Aktualität

Anlässlich der Finanzkrise ab 2007 wurde Keynes' Vorschlag in der wirtschaftspolitischen Diskussion wieder aufgegriffen. So forderte Zhou Xiaochuan, Chef der Chinesischen Zentralbank, im März 2009 eine Reform des internationalen Währungssystems und erklärte, dass Ausbruch und weltweite Ausbreitung der Finanzkrise ihre zentrale Ursachen im Triffin-Dilemma hätten.[15] Ein Ausweg aus diesem Dilemma sei in Keynes „weitsichtigem Denkansatz“ zu sehen. Eine ähnlich lautende Analyse findet sich in dem Bericht der "UN-Expertenkommission zur Internationalen Geld- und Finanzreform" [16] Der Internationale Währungsfonds schlug 2010 erneut eine globale Währung vor, die „Keynes' zu Ehren zum Beispiel Bancor genannt“ werden könne.[17]

Literatur

Belege

  1. Keynes, John Maynard, 08.1942, Proposals for an International Clearing Union, T160/1281/F18885/1, Public Record Office. Zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 176–177.
  2. Keynes, John Maynard, 8.9.1941, Post-War Currency Policy. Zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 27–31.
  3. Keynes, John Maynard, 08.1942, Proposals for an International Clearing Union, T160/1281/F18885/1, Public Record Office. Zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 173.
  4. Keynes, John Maynard, 18.11.1941, Proposals for an International Currency Union, T247/116, Public Record Office. Zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 51.
  5. The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 183.
  6. The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 183.
  7. The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 184.
  8. Übersetzung von Georg Zoche, WELT MACHT GELD. München 2009, 84-85. "But unquestionably it would involve a discrimination against the United States if she persisted in maintaining an unbalanced creditor position. Again, whether we like it or not, this will be forced on us. We shall have no means after the war out of which we can purchase in the United States except the equivalent of what they buy from us." Keynes, John Maynard, 25.4.1941, Letter to F. T. Ashton-Gwatkin, T245/69, Public Record Office. Zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 17.
  9. Keynes, John Maynard, 08.1942, Proposals for an International Clearing Union, T160/1281/F18885/1, Public Record Office. Zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 190.
  10. The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 191–193.
  11. Übersetzung von Georg Zoche, WELT MACHT GELD. München 2009, 89-90. "It has been suggested that so ambitious a proposal is open to criticism on the ground that it requires from the members of the Currency Union a greater surrender of their sovereign rights than they will readily concede. But no greater surrender is required in point of form than is required in a commercial treaty. The obligations will be entered into voluntarily and can be terminated on certain conditions by giving notice. A greater readiness to accept super-national arrangements must be required in the post-war world. If the arrangements proposed can be described as a measure of financial disarmament, they are very mild in comparison with the measures in military disarmament which the world may be asked to accept. There is nothing here which we need be reluctant to accept ourselves or to ask of others. It is an advantage, and not a disadvantage, of the scheme that it invites the member states to abandon that licence to promote indiscipline, disorder and bad-neighbourliness which, to the general disadvantage, they have been free to exercise hitherto. The plan makes a beginning at the future economic ordering of the world between nations and the 'winning of the peace'. It might help to create the conditions and the atmosphere in which much else would be made easier." Ebd., zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 195.
  12. Übersetzung von Georg Zoche, WELT MACHT GELD. München 2009, 90. "membership would be thus established as a privilege only open to those who conformed to certain general principles and standards of international conduct. I conceive the management and the effective voting power as being permanently Anglo-American." Keynes, John Maynard, 18.11.1941, Proposals for an International Currency Union, T247/116, Public Record Office. Zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 55.
  13. Übersetzung von Georg Zoche, WELT MACHT GELD. München 2009, 91. "Moreover, even if the Americans were to be of one mind with ourselves, it is a question whether it would be wise to present the rest of the world with what looked like an Anglo-American bloc. If there is anyone more unpopular than ourselves it is the United States; and if there is anyone more unpopular than the United States, it is Russia; and if there is anyone more unpopular than Russia, it is ourselves. So I think it is altogether too early to take up a definite stand as between a predominantly Anglo-American set-up and one which, from the start, has a more international character. Where I unreservedly agree with you is that the actual constitution of particular plans must be agreed and established by as few cooks as possible, with others invited to the dinner table after they have smelt the broth." Keynes, John Maynard, 8.5.1942, Letter to R. F. Harrod, T247/67, Public Record Office. Zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 152.
  14. Übersetzung von Georg Zoche, Welt Macht Geld, München 2009, 91-92. "Moreover it is a good schematism by means of which the essence of the problem can be analysed and the essential elements of any satisfactory solution be brought into full view. If not this, we can ask, what then? Now that you are fully seized of the essential elements of the problem, what alternative solution do you offer us?" Keynes, John Maynard, 8.9.1941, Post-War Currency Policy. Zitiert nach Moggridge, Donald (Hrsg.), The Collected Writings of John Maynard Keynes, Volume XXV: Activities, 1940–44 – Shaping the Post-war World: The Clearing Union. Basingstoke: The Macmillan Press Ltd. 1980, 33.
  15. Zhou Xiaochuan: Reform the International Monetary System, The People's Bank of China, 23. März 2009
  16. Report of the Commission of Experts of the President of the United Nations General Assembly on Reforms of the International Monetary and Financial System. 21. September 2009
  17. IWF: Reserve Accumulation and International Monetary Stability, 13. April 2010
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