Grundsätzliches

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Contents

Was ist Geld? Wozu braucht man Geld?

Schon als Kindergartenkinder lernen wir, dass Geld braucht, wer ein Erdbeereis haben will. Während jedoch die meisten von uns eines Tages überrascht feststellen, dass Strom nicht aus der Steckdose kommt, machen wir uns kaum Gedanken, woher die Substanz "Geld" stammt.

Natürlich haben wir durch den täglichen Umgang erfahren, dass man Geld "verdienen" kann – etwa durch Arbeit oder im Austausch gegen eine Ware. Durch diese Alltäglichkeit wachsen wir in der Gewissheit auf, dass Geld eine Substanz zu sein scheint, die schon existiert, lange bevor wir sie durch Arbeit verdienen oder gegen ein Eis tauschen. Geld scheint einfach zu "sein" und auf das Ausgeben oder Verdienen so zu warten wie der Strom in der Dose auf den Stecker. Über die Existenz von Geld und über seine Funktionen verlieren wir dabei kaum einen Gedanken; wir lernen nur, dass es gut ist, möglichst viel von dieser Substanz zu besitzen, weil sie sich in alles verwandeln lässt. Wenig Geld wird zu einem Erdbeereis, viel zu einer Reise zum Mond.

Aber wie kommt der Strom in die Dose, das Geld in die Welt?

Erscheinungsformen von Geld

Erstaunlicherweise ist Geld alles, was eine Gemeinschaft zu Geld erklärt: dabei kann es sich um Zigaretten, Kaffee, Muscheln, Vieh, Saatgut, Gold, Silber, Steine oder sogar Papier und gar elektronische Signale handeln.

Die Erkenntnis, dass alles Mögliche von einer Gemeinschaft zu Geld erklärt werden kann, hilft uns jedoch nicht wirklich weiter, wenn wir verstehen wollen, was Geld ist. Denn eine Gesellschaft könnte auch jeden beliebigen Gegenstand als "Kuh" bezeichnen; allerdings würde nicht jede dieser "Kühe" auch tatsächlich Milch geben. Um also zu verstehen, was Geld ausmacht, müssen wir einen Blick auf die Eigenschaften – vornehmlich die Funktionen – von Geld werfen.


Funktionen von Geld

Die klassische Geldtheorie nennt drei Funktionen von Geld: Wertmaßstab, Tauschmittel und Vermögensspeicher.

Universeller Wertmaßstab – Unvergleichliches wird vergleichbar

Als universeller Wertmaßstab ermöglicht Geld die Quadratur des Kreises: den Vergleich von Äpfeln mit Birnen, von einem Rasenmäher mit einer Wurzelbehandlung, von der Arbeit einer ganzen Nation mit einer Reise zum Mond.

Tauschmittel (Zahlungsmittel) – Unterschiedliches wird tauschbar

Aus dieser Funktion Wertmaßstab leitet sich die zweite, ebenso bemerkenswerte Funktion ab: Geld als Tauschmittel. Nachdem durch den universellen Wertmaßstab Geld der Wert von Äpfeln erfasst wurde, müssen diese nicht mehr gegen Birnen, sondern können gegen den Wertmaßstab selbst, also gegen Geld, eingetauscht werden. Das so verdiente Geld kann anschließend gegen jede andere Ware getauscht werden – theoretisch auch gegen eine Reise zum Mond. Es ist nur noch eine Frage des in Geld ausgedrückten Preises, also letztlich von Angebot und Nachfrage.

Für die Funktion des Tauschmittels ist dabei wesentlich, dass es nicht mehr notwendig ist, Waren direkt gegen Waren zu tauschen, da ja jede Ware zunächst in Geld umgetauscht wird. Weil nun jede Ware in Geld tauschbar ist, kann – im Umkehrschluss – Geld auch in jede beliebige Ware eingetauscht werden. Diese potenziell unbegrenzte Verwandelbarkeit von Geld in jede gewünschte Ware trägt wesentlich zu seinem Reiz bei.

Komplexe Tauschvorgänge werden also möglich. Es ist zum Beispiel nicht mehr nötig, dass sich je zwei zueinander passende Tauschpartner finden, die ihre jeweilige Ware tauschen wollen. Diese durch das Vorhandensein eines Tauschmittels ermöglichte Komplexität ist die Grundlage industrieller Arbeitsteilung – niemand würde eine Mondfahrt anbieten und sich diese in Äpfeln bezahlen lassen. Ebenso kann der Tausch nun über örtliche oder zeitliche Hindernisse hinweg erfolgen, da Geld diese Hindernisse leichter überwinden kann, als Waren es je könnten; denn Geld verdirbt nicht und ist transportabel. Eine wunderbar lyrische Beschreibung dieser Funktion des Tauschens findet sich bei Karl Marx:

Da das Geld als der existierende und sich betätigende Begriff des Wertes alle Dinge verwechselt, vertauscht, so ist es die allgemeine Verwechslung und Vertauschung aller Dinge, also die verkehrte Welt, die Verwechslung und Vertauschung aller natürlichen und menschlichen Qualitäten.
Wer die Tapferkeit kaufen kann, der ist tapfer, wenn er auch feig ist. Da das Geld nicht gegen eine bestimmte Qualität, gegen ein bestimmtes Ding, menschliche Wesenskräfte, sondern gegen die ganze menschliche und natürliche gegenständliche Welt sich austauscht, so tauscht es also – vom Standpunkt seines Besitzers angesehn – jede Eigenschaft gegen jede – auch ihr widersprechende Eigenschaft und Gegenstand – aus; es ist die Verbrüderung der Unmöglichkeiten, es zwingt das sich Widersprechende zum Kuß.
Setze den Menschen als Menschen und sein Verhältnis zur Welt als ein menschliches voraus, so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen, Vertrauen nur gegen Vertrauen etc. Wenn du die Kunst genießen willst, mußt du ein künstlerisch gebildeter Mensch sein; wenn du Einfluß auf andre Menschen ausüben willst, mußt du ein wirklich anregend und fördernd auf andere Menschen wirkender Mensch sein. Jedes deiner Verhältnisse zum Menschen – und zu der Natur – muß eine bestimmte, dem Gegenstand deines Willens entsprechende Äußrung deines wirklichen individuellen Lebens sein. Wenn du liebst, ohne Gegenliebe hervorzurufen, das heißt, wenn dein Lieben als Lieben nicht die Gegenliebe produziert, wenn du durch deine Lebensäußrung als liebender Mensch dich nicht zum geliebten Menschen machst, so ist deine Liebe ohnmächtig, ein Unglück.[1]

Wertspeicher – Vergängliches wird speicherbar

Die Möglichkeit, den "Rücktausch" von Geld in Waren oder Dienstleistungen erst nach Belieben und bei Bedarf zu vollziehen, stellt die dritte erstaunliche Funktion von Geld dar: Es wird gehalten und dient dann als Vermögensspeicher. Erst mittels dieses Vermögensspeichers kann ein Bauer mit dem im Herbst durch die Ernte verdienten Geld im darauffolgenden Frühjahr neues Saatgut kaufen.

Durch die Funktion des Wertspeichers erhält Geld eine Beziehung zur Zeit; im Augenblick des Tauschs wird der Wert einer Ware gewissermaßen zeitlich eingefroren. Das so im Tausch erhaltene Geld hält für alle Zukunft den Wert dieser Ware zum Zeitpunkt und Ort seines Umtauschs fest. Die Beziehung zwischen Zeit und Geld drückt sich unter anderem auch in den zeitlich variablen Preisen von Waren aus – etwa dem Preis von frischen Erdbeeren im Mai oder im Dezember. Ebenso wie mittels der Funktion Wertspeicher vergangene Werte in Erfahrung gebracht werden können ("was haben Erdbeeren im Dezember 1968 in München gekostet?") können umgekehrt auch in der Zukunft liegende Werte verhandelt werden ("wer bietet Erdbeeren zu welchem Preis und lieferbar in einem halben Jahr an?"). Die Funktion des Wertspeichers erlaubt somit längerfristiges Handeln, über den jeweiligen individuellen und zeitlichen Bedarf hinaus.

Liquidität

Das Vorhandensein von Geld wird als Liquidität bezeichnet; Unvergleichliches wird vergleichbar, Unterschiedliches tauschbar, Werte können gespeichert werden.

Ist jedoch kein Geld vorhanden, stehen auch seine den Handel und das Handeln erleichternden Funktionen nicht zur Verfügung. Es müssten dann Äpfel mit Birnen verglichen, Klavierstunden gegen Schweinehälften getauscht und Verderbliches schnell verbraucht werden. (Zudem gäbe es wohl gar keine Klaviere, da deren Herstellung ohne industrielle Arbeitsteilung kaum denkbar wäre, also auch keine Klavierlehrer.)

Ohne diese durch Liquidität zur Verfügung stehenden Geldfunktionen ruhen somit Arbeit, Maschinen und Handel weitgehend; der Austausch von Waren und Dienstleistungen wird auf das Notwendigste beschränkt, das wirtschaftliche Leben kommt nahezu komplett zum Erliegen und kann dann sozusagen nur noch "von der Hand in den Mund" erfolgen. Der Einsatz der eigenen Arbeitskraft über die jeweils persönlichen Grundbedürfnisse hinaus – also das Arbeiten für die Bedürfnisse anderer – ist ohne Liquidität nur stark eingeschränkt vorstellbar. Geld vermittelt gewissermaßen zwischen den Bedürfnissen der einen und den Möglichkeiten der anderen Menschen und ist somit die Grundlage für Angebot und Nachfrage. Erst Liquidität erlaubt eine arbeitsteilige Gesellschaft, das Erlernen und Ausüben komplexer Berufe und Investitionen in die Zukunft. Waren werden bewertbar, damit handelbar und ihre Werte speicherbar.

Alan Greenspan hat die Funktionen von Geld und deren fundamentale Bedeutung für arbeitsteilige Gesellschaften wie folgt auf den Punkt gebracht:

Geld ist der gemeinsame Maßstab aller wirtschaftlichen Transaktionen. Es ist der Rohstoff, der als Tauschmittel dient, der von allen Teilnehmern einer Tauschgesellschaft als Bezahlung ihrer Güter und Dienstleistungen akzeptiert wird und der von daher als Bewertungsmaßstab und zur Wertaufbewahrung für das Sparen dient. Die Existenz eines solchen Rohstoffes ist Voraussetzung für eine arbeitsteilige Wirtschaft. Wenn die Menschen keinen objektiv bewertbaren Rohstoff hätten, der allgemein als Geld akzeptiert werden kann, so wären sie auf primitiven Naturaltausch angewiesen oder gezwungen, autark auf Bauernhöfen zu leben und auf die unschätzbaren Vorteile der Arbeitsteilung zu verzichten. Wenn die Menschen kein Mittel zur Wertaufbewahrung, das heißt zum Sparen hätten, wären weder eine langfristige Planung, noch ein Austausch möglich.[2]

Zusammenfassung

Die drei klassischen Funktionen von Geld lauten Wertmaßstab, Tauschmittel und Wertspeicher. Sie sind Grundlage einer arbeitsteiligen Gesellschaft.

Die verschiedenen Arten von Geld

Die oben erwähnten, nahezu unbegrenzt möglichen Erscheinungsformen von Geld lassen sich in drei wesentliche Arten unterteilen: Naturalgeld, repräsentatives Geld und Fiatgeld.

Naturalgeld

Naturalgeld ist die früheste und einfachste Form von Geld, bei welcher das Geld selbst bereits seinen Wert darstellt. Typische Beispiele von Naturalgeld sind Gold- und Silbermünzen, Muscheln, Vieh oder Zigaretten. Da der Wert des Naturalgelds seinem jeweiligen Materialwert entspricht, kann es von jedem herausgegeben werden, der über die entsprechenden Naturalien verfügt. Jeder Besitzer von Gold, Silber, Vieh, Muscheln oder Zigaretten kann diese Naturalien in den drei klassischen Geldfunktionen verwenden: Sobald eine Zigarette nicht geraucht, sondern getauscht wird, verwandelt sie sich augenblicklich zu Geld – sie dient als Wertmaßstab, Zahlungsmittel und Wertspeicher.

Interessanterweise sind zu dieser spontanen Verwandlung von Naturalien in Geld keinerlei gesetzliche Vorschriften notwendig, da schon allein der Tausch zwischen Käufer und Verkäufer eine Zigarette zum Zahlungsmittel werden lässt. Mehr noch: Zu dieser spontanen Verwandlung sind nicht nur weder Gesetz noch Zentralgewalt notwendig, es ist einer Zentralgewalt sogar nahezu unmöglich, diese Verwandlung zu kontrollieren. Beispielhaft hierfür ist die Verwendung von Kaffee oder Zigaretten als Geld in Gefängnissen oder zu Schwarzmarktzeiten.

Die Regeln, nach welchen Naturalgeld geschaffen wird, sind jedermann bekannt, und so kann es dezentral und von einzelnen Personen spontan geschöpft werden – einfach, indem Naturalien als Geld verwendet werden. Der Wert von Naturalgeld muss dabei nicht von einer Zentralgewalt ermittelt oder als Zahl auf das Geld aufgedruckt werden, da eine Zigarette stets dem Wert einer Zigarette, eine Muschel stets dem einer Muschel und eine Unze Gold stets dem einer Unze Gold entspricht.

Auf diese Weise stärkt Naturalgeld die Unabhängigkeit des Individuums und schwächt die Machtposition einer eventuell bestehenden zentralen Gewalt – sei es Gefängnisdirektor, König oder Staat. Da Naturalgeld also von jedermann herausgegeben werden kann und es sich somit seinem Wesen nach jeder zentralen Kontrolle entzieht, könnte man es als eine Art "dezentrale Open-Source-Währung" bezeichnen.

Repräsentativgeld

Repräsentativgeld ist die zweite Spielart von Geld. Hierbei fungieren Naturalien nicht mehr direkt als Geld, sondern Gutscheine über Naturalien. Eine typische Form von repräsentativem Geld stellt der Goldstandard dar: Geldscheine, welche bei der ausstellenden Bank gegen eine fest vereinbarte und als Nennwert auf dem Geldschein bezeichnete Menge Gold eingetauscht werden können.

Im Gegensatz zu Naturalgeld ergibt sich hier die vorteilhafte Vereinfachung, dass die Naturalien selber nicht mehr bewegt oder mitgeführt werden müssen, sondern an sicheren Orten aufbewahrt werden können oder im Falle verderblicher Naturalien (Kaffee, Tabak, Vieh etc.) erst zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf gegen die Naturalien eingetauscht werden.

Prinzipiell könnte man auch repräsentatives Geld als "dezentrale Open-Source-Währung" bezeichnen, da es auch von Individuen durch das Ausstellen eines entsprechenden Gutscheins geschöpft werden kann. Jedoch lässt sich ein solcher privat ausgestellter Gutschein (zum Beispiel über den Erhalt einer Unze Gold) nicht mehr so problemlos an Dritte als Zahlungsmittel weiterreichen wie die Naturalien selbst, da sich sein tatsächlicher Wert aus dem Nennwert des Naturalienversprechens ("eine Unze Gold") und der Vertrauenswürdigkeit der ausstellenden Person oder Institution zusammensetzt – also letztlich dem Vertrauen, dass der Gutschein eingelöst werden kann.

Des Weiteren unterscheidet sich repräsentatives Geld von Naturalgeld darin, dass es möglich ist, Gutscheine nur partiell zu decken, also mehr Gutscheine auszustellen als Naturalien zu besitzen. Dabei ist die Höhe der notwendigen Deckung letztlich eine Frage des Vertrauens: Je vertrauenswürdiger der Aussteller, desto geringer kann dieser die Deckung gestalten, da Gutscheine umso seltener eingetauscht werden, je höher das Vertrauen in den Aussteller ist. Mit anderen Worten: Je höher das Vertrauen, desto besser eignen sich diese Gutscheine als Geld und bleiben daher in Verwendung als Wertspeicher oder Zahlungsmittel, ohne gegen die zugrunde liegenden Naturalien eingetauscht zu werden.

Fiatgeld

Fiatgeld bezeichnet das Geld, das wir heute kennen.

Es hat keinen intrinsischen Wert mehr, sondern sein Wert wird durch staatlichen Beschluss festgesetzt und als Nominalwert auf die Geldscheine aufgedruckt oder in die Münzen eingeprägt. Auf diese Weise kann Fiatgeld – im Gegensatz zu Naturalgeld – in beliebigen Mengen hergestellt werden. Aus seiner einfachen Herstellung aus dem Nichts und Wertfestsetzung per simplem Beschluss rührt auch dessen Name: "Fiat" (Aus dem Lateinischen: "Es werde")

Fiatgeld funktioniert jedoch nur, wenn es von einer Zentralgewalt als gesetzliches Zahlungsmittel festgeschrieben und dessen Annahme durchgesetzt wird: Der Staat muss es zur Zahlung der Steuern ebenso wie der Bäcker im Tausch gegen Brot akzeptieren. Natürlich wird Fiatgeld in aller Regel nicht einfach in beliebiger Menge hergestellt, sondern aus Kredit geschöpft und ist dann – solange die Regeln eingehalten werden – durch die Schulden der Kreditnehmer gedeckt (eine ausführlichere Erklärung folgt weiter unten im Abschnitt "Geldschöpfung").

Seinen Wert erhält Fiatgeld also durch die Durchsetzungsmacht der Zentralgewalt per Zahlungsmittelgesetz gepaart mit dem Vertrauen, dass die seiner Schöpfung zugrunde liegenden Schulden zurückgezahlt werden können.

Zusammenfassung

Man kann Geld in drei Arten unterteilen: Naturalgeld mit intrinsischem Wert (Zigaretten, Kaffee, Gold), Repräsentativgeld als Anspruch auf tatsächliche Werte (Goldstandard) und Fiatgeld ohne intrinsischen Wert oder Anspruch auf tatsächliche Werte (unser heutiges Geld).

Ohne Papier kein Krieg

Abb.1: Pieter Bruegel d. Ä., Der Kampf der Sparbüchsen mit den Gelddosen, nach 1570

Kriege schöpfen nicht, sondern zerstören – Leben ebenso wie Güter und Vermögen. Und da Kriege keine handelbaren Güter sind – man sie nicht gewinnbringend an Dritte wie eine Ware weiterverkaufen kann –, lassen sie sich nicht aus sich selbst heraus finanzieren, sondern müssen künstlich subventioniert werden.

Diese banale Feststellung hat weitreichende Konsequenzen: Denn aufgrund seiner Finanzierung stellt jeder Krieg zwischen zwei Nationen immer auch den Krieg zwischen zwei Währungen dar, in dem deren unterschiedliche Leistungsfähigkeit die Frage nach Sieg und Niederlage entscheidend bestimmt. Für die Kriegsfinanzierung ist dabei maßgeblich, dass enorme Geldmengen in kürzester Zeit aufgebracht werden müssen. Aus diesem Grund werden Kriege nicht mit Erspartem oder Erobertem (etwa Gold oder anderen Gütern) finanziert, sondern mithilfe von Versprechen: durch Papiergeld oder Anleihen. Kurz: Kriege benötigen Fiatgeld. So war es zu Zeiten des Goldstandards üblich,

zu Beginn eines Krieges die Bindung ans Gold zu lockern oder zu lösen und die freie Geldschöpfungskraft [der Notenpresse] für die Kriegsfinanzierung zu nutzen. Man ging dazu über, die freie Währung auch nach Beendigung des Krieges beizubehalten.[3]

Aus der Tatsache, dass Kriege immer auch die Auseinandersetzung zwischen zwei Währungen bedeuten, ergibt sich eine weitere erstaunliche Konsequenz: Innerhalb nur einer Währung finden keine Kriege statt. Wollten zum Beispiel Frankreich und Deutschland heutzutage wieder gegeneinander zu Felde ziehen, müssten sie hierfür bei der Europäischen Union um einen Kredit bitten – den sie aber niemals erhalten würden, da die EU selbstredend keinen Krieg gegen sich selbst finanzieren würde. Frankreich und Deutschland müssten also entweder auf den Krieg verzichten oder aus der Europäischen Währungsunion austreten und wieder eigene Nationalwährungen aufbauen – ein Weg, den im US-amerikanischen Bürgerkrieg die Nord- und Südstaaten schließlich eingeschlagen haben.[4]

Da Kriege also mittels Fiatgeld finanziert werden, folgt weiter, dass jene Nation die größten Kriege führen kann, welche die leistungsfähigste und am weitesten verbreitete Fiatwährung besitzt. Wird diese Währung gar in aller Welt angenommen und in erheblichem Umfang von anderen Nationen als Reserve gehalten, können große Teile der Kriegskosten auf all jene externalisiert werden, die in eine solche Währung investieren oder investiert haben.

Die Fähigkeit des Gelddruckens stellt also eine wesent­liche Grundlage des Kriegführens dar, und so gehört es zu den gängigen Kriegslisten, die Währung des Feindes mit ­allen Mitteln zu schwächen. So ordnete Napoleon im September 1809 den Druck von 100 Millionen gefälschter österreichischer Banknoten mit dem Ziel an, "diese Papiergeldausgabe im Wert zu mindern und Österreich zur Metallwährung zurückzuzwingen".[5] Im Zweiten Weltkrieg fälschte Nazi-Deutschland US-Dollars und Britische Pfund[6], und heute vermuten die USA, dass Nordkorea große Mengen gefälschter 100-Dollarnoten in Umlauf bringt (den sogenannten "Superdollar").[7]

Der Finanzhistoriker Niall Ferguson hat in seinen Forschungsarbeiten die Verbindung von Kriegen und der mit ihnen einhergehenden Entwicklung von Finanzinstrumenten detailliert untersucht:

(…) das Ende von Napoleon 1815 bei Waterloo: Die Schlacht war auch ein Wettstreit zwischen zwei Finanzsystemen. Die Franzosen finanzierten den militärischen Konflikt durch Plünderung, die Engländer dagegen nutzten den Anleihemarkt und nahmen Schulden auf. So gelang ihnen der Aufstieg zur Weltmacht. (…) Wahrscheinlich begann der Staat überhaupt erst mit dem Schuldenmachen, als die Venezianer im 13. Jahrhundert entdeckten, dass sie auf diese Weise Kriege leichter finanziert bekommen: wenn sie nämlich das Geld von den Bürgern leihen, anstatt diese zu besteuern. Hier liegt der Ursprung des Rentenmarktes. Hinter jedem großen historischen Ereignis verbirgt sich ein finanzielles Geheimnis.[8]

Vergleich der Geldarten

Vergleicht man also nun diese drei Geldarten, so ergeben sich interessante Unterschiede: Natural- und Repräsentativgeld können dezentral herausgegeben werden, da sich ihr Wert bereits intrinsisch ergibt; Fiatgeld ist jedoch auf eine Zentralgewalt und Zahlungsmittelgesetze angewiesen. Eine Nation mit goldgedecktem Repräsentativgeld exportiert im Falle eines Handelsbilanzdefizits Gold; die Fiatgeldnation exportiert nur Papier oder elektronische Zahlungsversprechen. Aus diesem Grund ist Repräsentativgeld auch verhältnismäßig manipulationssicher und die Staatsverschuldung eng begrenzt; Fiatgeld kann leichter manipuliert und die Staatsverschuldung durch immer weitere Zahlungsversprechen in schwindelerregende Höhen getrieben werden.

Aber vor allem können Kriege mit Natural- oder Repräsentativgeld nicht finanziert werden, wohl jedoch mit Fiatgeld. Fiatgeld ist die wichtigste Grundlage für militärische wie wirtschaftliche Expansion.

Abb. 2: Vergleich der Geldarten
Natural-, bzw. Repräsentativgeld Fiatgeld
dezentral, "Open Source" Zentralgewalt
Export von Naturalgeld ein echter Verlust: Gold verlässt das Land. Export von Fiatgeld sehr lukrativ: Papier verlässt das Land.
manipulationssicher kann politisch manipuliert werden
Staatsverschuldung eng begrenzt Staatsverschuldung kaum begrenzt
Kriege können nicht finanziert werden Kriege können finanziert werden



Zusammenfassung

Die drei Geldarten unterscheiden sich ganz wesentlich bezüglich der Machtfrage: Im Gegensatz zu Natural- und Repräsentativgeld setzt Fiatgeld eine zentrale Gewalt voraus, um es als gesetzliches Zahlungsmittel durchsetzen zu können. Gleichzeitig erlaubt Fiatgeld die Finanzierung einer solchen zentralen Gewalt.

"Gutes" und "schlechtes" Geld

Gresham's Law

Abb. 3: Sir Thomas Gresham[9]

Obwohl der nach Sir Thomas Gresham (1519–1579) benannte Grundsatz wohl zu den wichtigsten Grundsätzen der Geldtheorie zählt, wird er doch oft sinnumkehrend angewandt. Die meist zu findende, verkürzte – und in dieser Verkürzung falsche – Formulierung lautet:

"Schlechtes Geld verdrängt gutes Geld."[10]

Diese Aussage beschreibt die Erfahrung aus dem Alltag, dass jeder stets versucht, "schlechtes" Geld auszugeben und "gutes" zu behalten: eingerissene Geldscheine oder verdreckte Münzen wird man bei der nächsten Gelegenheit ausgeben, bevor man sich von druckfrischen Banknoten oder glänzenden Münzen trennt. Auf diese Weise wird "gutes" nach und nach von "schlechtem" Geld aus dem Umlauf verdrängt.

Heutzutage mag es nur von ästhetischer Bedeutung sein, ob die umlaufenden Münzen glänzen und sich die Scheine frisch anfühlen. Zu Zeiten des Gold-Silber Bimetall-Standards führte das von Gresham beschriebene Verhalten jedoch zu erheblichen Problemen: Sobald der tatsächliche Wert von Gold zu Silber nicht mehr dem auf den Münzen aufgeprägten Zahlenwerten entsprach, versuchte jeder, das "gute" Geld zu horten und das "schlechte" auszugeben. Für eine Nation konnte das bedeuten, dass "gutes" Geld (etwa Goldmünzen) außer Landes geschafft wurden, während nur das "schlechte" Geld (etwa Silbermünzen mit hohem Kupferanteil) weiterhin innerhalb der Landesgrenzen umlief.

Der häufig anzutreffende Fehler in der Interpretation von Gresham's Law besteht nun darin, dass angenommen wird, "schlechtes" Geld würde stets das "gute" verdrängen. Die tatsächliche Bedeutung von Gresham's Law erhält man jedoch erst, wenn man den dazugehörigen Nebensatz nicht unterschlägt:

"Schlechtes Geld verdrängt gutes Geld, wenn ein Annahmezwang besteht."

Dieser Nebensatz ist von allergrößter Bedeutung. Trifft er nämlich nicht zu – liegt also kein Annahmezwang vor –, dann passiert das genaue Gegenteil: "gutes" Geld verdrängt "schlechtes". Denn wenn Bäcker, Taxifahrer und Kellner die Annahme dreckiger Münzen und eingerissener Scheine verweigern, können sie nicht mehr zirkulieren und jeder wird versuchen, auch selbst nur noch schöne Scheine und glänzende Münzen anzunehmen.

Gesetzliches Zahlungsmittel ist schlechtes Geld

Anders formuliert lautet Gresham's Law:

"Wenn ein Annahmezwang besteht, wird gutes Geld von schlechtem Geld verdrängt."

Nun beruhen Wert und Funktion unseres heutigen Geldes ausgerechnet auf dem Vorhandensein eines Annahmezwangs: Fiatgeld ist stets auch gesetzliches Zahlungsmittel, dessen Annahme die Nationalstaaten mit allen notwendigen Mitteln durchsetzen. Und gleichzeitig benötigt der Nationalstaat Fiatgeld zur Finanzierung seiner nationalstaatlichen Ziele; Fiatgeld und Nationalstaaten (in ihrer heutigen Ausprägung) bedingen sich gegeneinander. Und so leben wir in einer Welt, in der die nationalstaatliche Raison zwangsläufig zur Verwendung schlechten Geldes führt.

Hieraus ergibt sich ein erstaunlicher Widerspruch unserer marktwirtschaftlichen Systeme: Ausgerechnet Geld selbst – der Maßstab allen wirtschaftlichen Handelns – ist kein im freien Wettbewerb befindliches Gut, sondern unterliegt nationalstaatlichen Annahmezwängen. Würde man diesen Annahmezwang auf Güter übertragen – etwa Bier und Schweinebraten –, würden schlechte Güter die besseren verdrängen und deren Qualität notwendigerweise leiden. Das frische Bier und den knusprigen Braten würde der Wirt nur mit seiner Familie und seinen allerbesten Freunden verzehren; schal gewordenes Bier und fettigen Braten hingegen seinen Gästen aufzwingen.

Zusammenfassung

Annahmezwang fördert schlechtes Geld und benachteiligt gutes.

Internationale Liquidität, 1. Teil

Durch die Verwendung von nationalen Fiatwährungen ist das Problem der internationalen Liquidität entstanden: Denn mit welcher Währung kann im internationalen Verkehr gezahlt werden, wenn die einzelnen Fiatwährungen jeweils nur in ihren Ursprungsländern gesetzliche Zahlungsmittel sind? Und welchen Nutzen haben diese Währungen außerhalb ihrer Ursprungsländer? Da der Händler, der zum Beispiel Waren von Europa nach Japan liefert, mit den eingenommenen Yen in Europa keine Güter bezahlen kann, muss er entweder Güter in Japan beziehen oder die Yen in die Währung einer Nation wechseln, mit der er wiederum Güter bezahlen kann.

Bis vor dem Ersten Weltkrieg stellte sich dieses Problem noch nicht in der heutigen Weise, da etwa 70 bis 80 Prozent der gesamten in der Welt im Umlauf befindlichen Geldmenge in Form von Silber- oder Goldmünzen zirkulierte.[11] Da das umlaufende Gold oder Silber bereits per Definition nicht national war, konnte es problemlos von Händler zu Händler ebenso wie von Nation zu Nation weitergereicht werden – und wurde nach Wunsch oder Bedarf sogar von den jeweiligen nationalen Münzstätten gegen eine geringe Gebühr umgemünzt (etwa aus italienischen in deutsche Münzen).[12]

Dieses Problem der internationalen Liquidität konnte in den letzten rund 100 Jahren nicht zufriedenstellend gelöst werden, und so behilft man sich heute damit, die nationalen Währungen einiger privilegierter Länder auch im internationalen Zahlungsverkehr zu verwenden – allen voran den US-Dollar. Diese Verwendung des US-Dollars als vornehmliche Transaktions- und Reservewährung hat jedoch nicht nur den USA eine dominierende Rolle in der Entwicklung der Welt seit Ende des Zweiten Weltkriegs gesichert, sondern zu weiteren Problemen geführt und dabei nicht zuletzt auch die Grundlagen für die Finanzkrise von 2008 gelegt (siehe Abschnitt "Dollarkrise, 2. Akt").

Zusammenfassung

Da nationalstaatliche Fiatwährungen nur jeweils in ihrer eigenen Nation als gesetzliches Zahlungsmittel dienen, stellen sie kein geeignetes Instrument für internationale Zahlungen dar.

Für dieses Problem der internationalen Liquidität konnte seit der Abschaffung des Goldstandards (1931) keine zufriedenstellende Lösung gefunden werden.

Millionen – Milliarden – Billionen

Große Zahlen entziehen sich der menschlichen Vorstellungskraft – das altgriechische Wort μύριας (myrias) bezeichnet die Zahl 10 000, während sein Plural μύριος (myrios) bereits für "unendlich" steht. In der Welt des Geldes stellt 10 000 jedoch noch einen eher bescheidenen Betrag dar, und so sprengen die in Zeitungen und Büchern genannten Zahlen häufig jedes menschliche Verständnis. Vielleicht hilft es daher, sich diese großen Zahlen zu verbildlichen.

Als Quadratzahlen

  • Ein i-Punkt in diesem Buch ist etwa 0,3 Millimeter groß.
  • Ein streichholzkopfgroßes Quadrat von drei auf drei Millimeter würde also bereits 100 i-Punkte enthalten.
  • Ein daumenabdruckgroßes Quadrat von 30 auf 30 Millimeter entspräche schon 10 000 i-Punkten.
  • Ein Quadrat von 300 auf 300 Millimeter – etwa drei Buchseiten – ergäbe dann bereits 100 Millionen i-Punkte.
  • Das Zehnfache – also 30 solcher Seiten – hält eine Milliarde i-Punkte.
  • Davon das Eintausendfache – also 30 000 Seiten – und man erhält eine Billion i-Punkte.

Im Verhältnis zum Erdumfang und anderen Entfernungen

  • Eine Million Millimeter entsprechen einem Kilometer.
  • Eine Milliarde Millimeter entsprechen 1000 Kilometer oder etwa der Entfernung Berlin-Paris.
  • Eine Billion Millimeter entsprechen eine Million Kilometer oder etwa dem 25-fachen Erdumfang.

Ein Beispiel

Die Kosten des Irakkriegs werden auf ca. drei Billionen US-Dollar geschätzt, das entspricht einer Anzahl von etwa 90 000 von i-Punkten geschwärzten Seiten oder 75 Erdumrundungen in Millimeterschritten.

Zahlen in Worten

Leider verwendet man im Deutschen und im US-amerikanischen Englisch für dieselben Zahlen unterschiedliche Begriffe:

  • 1000: "Tausend", US-engl. "thousand"
  • 1000 000: "Million", US-engl. "million"
  • 1000 000 000: "Milliarde", US-engl. "billion"
  • 1000 000 000 000: "Billion", US-engl. "trillion"

Fußnoten

  1. Marx, Karl und Friedrich Engels, Ökonomisch-philosophische Manuskripte. Werke, Ergänzungsband, 1. Teil, Berlin: Dietz Verlag 1968, 566ff.
  2. Greenspan, Alan, Gold and economic freedom, The Objectivist, 1966.
  3. Eyern, Gert von, in: Das Fischer Lexikon, Band 2, Staat und Politik. Hrsg. von Ernst Fraenkel und Karl Dietrich Bracher. Frankfurt am Main: Fischer Bücherei 1959, 330.
  4. Vgl. Bailyn, Bernard, David Brion Davis, David Herbert Donald, John L. Thomas, Robert H. Wiebe und Gordon S. Wood, The Great Republic. A History of the American People. Lexington, Massachusetts: D.C. Heath & Co. 1977, 698ff.
  5. Thompson, J. M. (Hrsg.), Napoleon's Letters. London: Prion 1998, 215. Zitiert nach Ferguson, Niall, Politik ohne Macht. Stuttgart, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2001, 152.
  6. Die Fälscher, Spielfilm, Wien: Aichholzer Filmproduktion, Hamburg: Magnolia Filmproduktion GmbH 2006/2007, http://www.diefaelscher.at, 17.8.2009.
  7. Bender, Klaus W., "Supernotes": Das Geheimnis der gefälschten Dollarnoten. FAZ.net, http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EE773DF6A8F2446F2BBB6CBA26E7F6816~ATpl~Ecommon~Scontent.html
  8. Ferguson, Niall, Wir brauchen neue Banken. In: Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronik des Kapitals. Hamburg: SPIEGELVerlag, 04/2009, 15–16.
  9. Sir Thomas Gresham (*1519 in London; † 21. November 1579 ebenda) war Mitbesitzer des größten englischen Handelshauses seiner Epoche und seit 1551 Finanzagent der englischen Regierung und königlicher Berater.
  10. Vgl. Mundell, Robert, Uses and Abuses of Gresham's Law in the History of Money. Columbia University 1998, http://www.columbia.edu/~ram15/grash.html, 19.8.2009.
  11. Mertens, Jacques E., La Naissance et le Développement de l'Etalon-Or. Paris: Presses Universitaires de France 1944, Tables 49–53. Zitiert nach Triffin, Robert, Gold and the dollar crisis. The future of convertibility. New Haven und London: Yale University Press 1961, 21.
  12. Brockhaus' Konversations-Lexikon. Vol. 12, Münzen, 1903, 83.
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